Gesundheitliche Schäden befürchtet

Bahnstrecke in Guntershausen: Anwohner haben genug vom Lärm

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Sie wollen sich nicht mehr mit der Belastung abfinden: Helga Breitschwerdt (von links), Heidrun Asmuth, Karl-Heinz Norwig, Dieter Norwig, Herbert Kretschmer, Björn Ludolf, Erwin Kilian sowie Lothar und Roland Seliger. Sie fordern die Bahn auf, für Lärmschutz zu sorgen.

Baunatal. „Die Schrauben an den Schwellen sind lose", sagt Herbert Kretschmer und macht das Geräusch nach, mit dem die Räder eines Zuges deshalb noch lauter über den nicht verschweißten Schienenstoß direkt neben seinem Wohnhaus an der Lindenstraße schlagen. „Bum-Bum - Bum-Bum."

Der 65-Jährige ist einer von vielen Guntershäusern, die sich über zunehmenden Lärm auf der Bahnstrecke beklagen. Vor allem am Nachmittag und in der Nacht donnerten die langen Güterzüge - „oft im Zweiminutentakt“ - an den Häusern vorbei, sagen die Anwohner einhellig.

Sie wollen sich nicht mehr mit der Belastung abfinden: Helga Breitschwerdt (von links), Heidrun Asmuth, Karl-Heinz Norwig, Dieter Norwig, Herbert Kretschmer, Björn Ludolf, Erwin Kilian sowie Lothar und Roland Seliger. Sie fordern die Bahn auf, für Lärmschutz zu sorgen.

Die Menschen leben seit Jahrzehnten mit dem Rauschen der Züge über die Schienenstränge zwischen Kassel, Frankfurt und Bebra. Sie haben sich damit arrangiert. Schließlich ist der Baunataler Stadtteil ein traditionsreicher Eisenbahnerort. „Das hat uns auch Wohlstand gebracht“, merkt Kretschmer an. „Wir haben nichts gegen die Bahn.“ Doch der Lärm habe enorm zugenommen, ergänzt Dieter Norwig. „Dadurch kann es sogar zu gesundheitlichen Schäden kommen.“

In der Tat liegen viele Häuser in Guntershausen einen Steinwurf entfernt von den Gleisen. Der Garten von Herbert Kretschmer grenzt direkt an den Bahndamm. Vom Gartenzaun kann er den Lokführern zuwinken. Die Schrauben an den Schwellen seien vor einem halben Jahr mal angezogen worden, inzwischen seien sie aber wieder locker, sagt er.

Ist genervt: Herbert Kretschmer blickt – wie viele andere im Ort – vom Gartenzaun mit Sorge auf die vorbeirauschenden Züge. Er beklagt vor allem das Schlagen der Räder an einem nicht geschweißten Schienenstoß. Dort seien sogar mehrere Schrauben von Schwellen locker, sagt er.

Doch nicht nur die Schläge hinter Kretschmers Haus sind ein Problem. Die Anwohner fordern die Bahn auf, für umfassenden Lärmschutz zu sorgen. Das Unternehmen habe diesen zwar schon mehrfach angekündigt, betonen die Betroffenen, doch passiert sei bislang nichts.

In der Tat hatten Bahn und Stadt Baunatal bereits vor vier Jahren berichtet, dass der Ort ins Lärmschutzprogramm „Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen des Bundes“ aufgenommen worden sei. Doch die Bahn relativierte in den folgenden Jahren diese Einstufung. Der Ort habe es zwar in das Programm geschafft, zum Zuge komme er aber noch nicht, hieß es.

So äußert sich ein Bahnsprecher in Frankfurt auch aktuell wieder. „Es ist ganz schwer zu sagen“, betont er auf Anfrage der der HNA. In den nächsten zwei Jahren komme Guntershausen sicher nicht an die Reihe. „In einigen Jahren wird es aber dazu kommen.“

Auch die Stadt Baunatal hat laut Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) vor zwei Wochen eine Anfrage bei der Bahn zu dem Sachverhalt gestellt. „Wir warten noch auf eine Antwort.“ Anwohner Dieter Norwig hat den Lärm vor seinem Haus nahe dem Bahnhof inzwischen gemessen.

Ein Mitarbeiter des AvD sei mit einem Gerät da gewesen, berichtet er. „In 80 Meter Abstand hat der bei einem vorbeifahrenden Güterzug 85 Dezibel gemessen.“

Auch das „Bum-Bum“, das Herbert Kretschmer anfangs mit der Stimme nachgeahmt hat, ist noch stark untertrieben. Das Schlagen der Räder eines Zuges erweist sich beim Besuch seines Gartens in der Realität um ein Vielfaches intensiver.

Von Sven Kühling

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