95 zusätzliche Plätze in Wolfhagen

Bald 1500 Flüchtlinge: Landkreis sucht dringend weitere Heime

Es kommen immer mehr: Schon im November werden im Landkreis Kassel tausend Flüchtlinge leben. Für sie werden zurzeit vor allem in den Städten und Gemeinden rund um Kassel geeignete Gemeinschaftsunterkünfte gesucht. Foto:  dpa

Espena / Vellmar / Kreis Kassel. Angesichts der dramatisch steigenden Zahl von Flüchtlingen sieht sich der Landkreis Kassel gezwungen, zur Unterbringung der Menschen weitere Gemeinschaftseinrichtungen bereitzustellen.

In der Pommern-Anlage in Wolfhagen-Gasterfeld, einer früheren Kaserne, werden daher 90 zusätzliche Plätze für Asylbewerber geschaffen. Das teilte Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD) am Freitag bei einer Pressekonferenz vor Ort mit.

Zu diesem Zweck wird ein drittes früheres Mannschaftsgebäude als Gemeinschaftsunterkunft hergerichtet. Die ersten Flüchtlinge sollen dort bereits in zwei Wochen einziehen. Die Kosten für den Umbau, der überwiegend von der kreiseigenen Beschäftigungsgesellschaft Agil erledigt wird, seien vergleichsweise niedrig. Eine genaue Summe nannte Selbert nicht.

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Das frühere Kasernengebäude und ein angemietetes Hotel in Wolfhagen-Niederelsungen (25 Plätze) würden allerdings nicht ausreichen, um alle neuen Flüchtlinge mit Wohnraum zu versorgen. „Wir gehen daher davon aus, dass wir überall im Landkreis und auch gerade in den Kommunen rund um Kassel in den nächsten Wochen und Monaten weitere Gemeinschaftsunterkünfte einrichten werden“, kündigt die Vize-Landrätin an. Besonders im Fokus sind dabei Liegenschaften, die sich ohne größeren Investitionsaufwand für die Bedürfnisse von Asylbewerbern umrüsten lassen. Nach Informationen dieser Zeitung prüft die Kreisverwaltung allerdings bereits konkrete Objekte. Eines davon ist angeblich die leer stehende frühere Grundschule in Espenau-Hohenkirchen. Sie könnte dem Vernehmen nach mit wenig Aufwand umgebaut werden. Bislang leben keine Flüchtlinge in Espenau. Espenaus Bürgermeister Carsten Strzoda (parteilos) wollte sich zu einer möglichen Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde am Freitag auf HNA-Anfrage nicht äußern.

Bei dem zweiten Objekt handelt es sich möglicherweise um das bereits als Flüchtlingsheim genutzte frühere Hotel Rosengarten in Vellmar. Auf dem Areal direkt an der Bundesstraße 7 sollen angeblich zusätzliche Plätze geschaffen werden. Bürgermeister Dirk Stochla (SPD) äußerte sich auf Anfrage ebenfalls nicht zu diesem Thema.

Beim Landkreis rechnet man nach Auskunft von Vize-Landrätin Selbert damit, bei den Flüchtlingen noch im November die 1000er-Marke zu überschreiten. Bis Mitte nächsten Jahres könne ihre Zahl sogar auf 1500 steigen.

Täglich kämen rund 30 Männer, Frauen und Kinder an, die zu versorgen seien. Gegenwärtig beherbergt der Landkreis 830 Flüchtlinge. Die Bundespolizei berichtete am Freitag, dass seit Oktober in den Kasseler Bahnhöfen täglich rund 25 Flüchtlinge aufgegriffen werden. Die meisten von ihnen, so Bundespolizei-Sprecher Klaus Arend, stammen aus Syrien, Eritrea und Afghanistan.

Von Peter Ketteritzsch und Constanze Wüstefeld

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