Aufnahme klappt meist problemlos – Landkreis muss jährlich Millionenbeträge zuschießen

Bald 300 Asylbewerber mehr

Ungewisse Zukunft: Immer mehr Asylbewerber flüchten nach Deutschland. Auch der Landkreis Kassel spürt dies mit steigenden Flüchtlingszahlen. Das Foto zeigt Frauen und Männer während des Deutschkurses in der Unterkunft Rosengarten in Vellmar. Archivfoto: Ziemann/nh

kreis kassel. Der ungebremste Zustrom an Asylbewerbern nach Deutschland bereitet auch dem Landkreis Kassel zunehmend Probleme. Nicht, dass es an Unterkünften fehlt, oder die heimatlos gewordenen Frauen, Männer und Kinder gar auf Ablehnung in der heimischen Bevölkerung stoßen. Das ist nicht der Fall, sagt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Selbert im Gespräch mit unserer Zeitung. Jedoch, die finanzielle Last drückt immer schwerer, die mit der kontinuierlich ansteigenden Zahl an Flüchtlingen einhergeht.

Auf den Euro genau kann der Kreis belegen, wie die Kosten für die Flüchtlinge in den vergangenen Jahren anstiegen. Mussten 2009 noch gut 2,1 Millionen Euro für die Aufnahme und Unterbringung der Menschen aufgebracht werden, waren es 2012 bereits drei Millionen und im vergangenen Jahr 4,7 Millionen Euro.

Da vonseiten des Bundes und Landes die finanzielle Hilfe nicht in gleichem Umfang mitzog, so rechnen Selbert und Sozialamtsleiter Jörg Roßberg vor, rutsche der Kreis auch an dieser Stelle immer tiefer in die roten Zahlen. 2009 musste der Kreis 1,6 Millionen Euro für die Unterkunft der Flüchtlinge, deren Betreuung und andere Leistungen zusteuern, 2012 waren es bereits zwei und im Vorjahr schon drei Millionen Euro. Tendenz: weiter steigend.

Auch wenn der Landeszuschuss auf Weisung des Bundesverwaltungsgerichts mittlerweile von 407 auf 513 Euro pro Monat und Person angehoben worden sei, sagt Selbert, reiche das vorn und hinten nicht aus. „Wir wollen kein Einwanderungsstopp, aber die finanzielle Ausstattung muss stimmen“, will die Vize-Landrätin verhindern, dass ein falscher Zungenschlag in die Diskussion kommt.

Was auf den Landkreis in der Frage der Flüchtlingsaufnahme in nächster Zeit zukommt, lässt sich an Signalen des Regierungspräsidiums Darmstadt ablesen. Von dort ist nämlich zu hören, dass die Zahl der Flüchtlinge nicht nur auf einem hohen Niveau bleibt, sondern weiter ansteigen wird, heißt es aus dem Landratsamt.

Auch diese Aussage kann Sozialamtsleiter Roßberg mit Zahlen untermauern. Wurden dem Landkreis Kassel im vergangenen Jahr 390 Flüchtlinge zugewiesen, deuten alle Anzeichen darauf hin, dass es im ersten Halbjahr 2014 bereits 300 werden können. Ingesamt lebten mit Stichtag 31. Dezember 2013 636 Asylbewerber im Landkreis Kassel. Die meisten Flüchtlinge stammen aus Somalia (99), Afghanistan (81) und Serbien (61).

Keinerlei Probleme gibt es nach Kenntnis der Kreisverwaltung, was die Akzeptanz der Flüchtlinge durch die Bevölkerung angeht. Ob in Nieste, Deisel oder anderswo im Landkreis Kassel, überall seien die Neubürger bereits nach kürzester Zeit gut eingebettet in die jeweilige Ortsgemeinschaft, sagt Selbert. Ein Zeichen dafür, dass die Asylbewerber durchaus willkommen seien, sieht Sozialamtsleiter Roßberg darüber hinaus in der großen Zahl an Angeboten privater Vermieter, Wohnungen zur Aufnahme der Flüchtlinge bereitzustellen. KOMMENTAR / HINTERGRUND

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