CDU fehlen die Bewerber

Bald ist alles rot: Bei Kommunalwahl tritt in Nieste nur die SPD an

Rotes Dorf: Nieste wird nach der Kommunalwahl Ende März vollends von den Sozialdemokraten dominiert. Illustration:: Trolp/HNA

Nieste. Dass der SPD-Slogan im Internet, zumindest was die politischen Gremien betrifft, einmal Wirklichkeit werden würde, hätten selbst die überzeugtesten Sozialdemokraten in Nieste nicht gedacht.

Wenn am Abend des 27. März die Wahllokale schließen, wird die kleinste selbstständige Gemeinde in Hessen endgültig „Das rote Dorf im Grünen“ sein. Dann werden alle 15 Sitze im Gemeindeparlament von Sozialdemokraten besetzt sein, und auch im Gemeindevorstand wird es zumindest bis zur Kommunalwahl 2016 nur Genossen geben.

Dass der Wahlausgang in Nieste bereits jetzt feststeht, liegt an der CDU. Die Partei, die bislang über drei Sitze im Parlament und einen im Gemeindevorstand verfügte, tritt am 27. März in dem 1800-Einwohner-Ort nicht mehr an. Weitere Parteien oder Vereinigungen gibt es ohnehin nicht. „Wir hätten uns gern wieder den Wählern gestellt“, sagt Karin Würfel, Noch-CDU-Mitglied im Gemeindevorstand, im Gespräch mit der HNA, „doch uns fehlt das Personal.“

Die CDU habe sich lange und intensiv bemüht, geeignete Bewerber für die Kommunalwahl zu finden. „Mindestens ein Dreivierteljahr haben wir Menschen angesprochen“, so Würfel. Eine Liste bekamen die Christdemokraten trotzdem nicht zustande - und warfen daraufhin Mitte Januar das Handtuch.

Bei der CDU herrscht seither Ernüchterung; auch deshalb, weil die Partei in Nieste durchaus Stammwähler hat. Immerhin 23 Prozent der Stimmen konnten die Schwarzen bei der Wahl 2006 gewinnen. Auch wenn die Christdemokraten sich aus den Gremien verabschieden: Der Ortsverein bleibt nach Angaben von Karin Würfel bestehen.

Auch für das Wahlverfahren selbst hat der Verzicht der CDU erhebliche Konsequenzen. Die ursprüngliche, 22 Bewerber umfassende SPD-Liste, wird zur Gemeindewahlliste, Die Möglichkeit, mit einem Kreuz die ganze Liste abzusegnen, entfällt. Es gilt das Prinzip Jeder gegen Jeden.

Die Wahlberechtigten können zwar kumulieren, also Stimmen auf einen Bewerber vereinigen, nicht aber panaschieren, also ihre Stimmen auf die Bewerber mehrerer Listen verteilen. Bürgermeister Edgar Paul (SPD) ist mit der sich anbahnenden Alleinherrschaft seiner Partei nicht glücklich.

„Als Demokrat tut einem das weh“, sagte der Verwaltungschef gestern im HNA-Gespräch, „das hat immer einen bitteren Beigeschmack.“ Die Sozialdemokraten denken bereits jetzt darüber nach, wie sie die politischen Abläufe nach dem 27. März transparenter machen können. Denkbar sei, künftig auf Sitzungen der SPD-Fraktion zu verzichten und die Diskussionen im Parlament zu führen.

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