Vom Raiffeisenstift zum Vorstand: Herbert Krug geht nach 46 Jahren in den Ruhestand

Banker mit Bodenhaftung

Mit der Region eng verbunden: Herbert Krug scheidet bei der Raiffeisenbank aus, auf vielen anderen Feldern bleibt er aber aktiv. Foto: Jünemann

Baunatal. Seit dreieinhalb Jahrzehnten ist er die Konstante in der Raiffeisenbank Baunatal. So lange gehört Herbert Krug (62) dem Vorstand an, den er nun Richtung Ruhestand verlässt.

„Man hört zum Jahresende auf“, sagt Krug, weil das mit dem Jahresabschluss des Geldinstituts übereingeht. Solche Korrektheit und vor allem die Bodenhaftung kennzeichnen Krugs Arbeitsleben, das nach fast 50 Jahren im genossenschaftlichen Bankwesen endet.

Fast fünf Jahrzehnte Wirkungsstätte von Herbert Krug: Die Raiffeisenbank Baunatal am Europaplatz. Seit knapp drei Jahren beherbergt das Haus auch die Geschäftsstelle der HNA. Foto: Hühne

Von der Pike auf erlebte der Hertingshäuser die Raiffeisen-Welt. Am 1. April 1965 begann er eine Lehre in der Raiffeisenkasse seines Heimatorts - „und mein Vater war mein Chef“. Karl Krug nämlich vertrat das Dorf nicht nur lange als Bürgermeister, als gelernter Banker war er auch Rechner der örtlichen Raiffeisenkasse, wie man damals den Leiter nannte.

1968 fusionierte Hertingshausen mit der Raiffeisenbank Baunatal, Herbert Krug wurde Angestellter in Altenbauna. Als 1977 das Vier-Augen-Prinzip bei wichtigen Entscheidungen vorgeschrieben wurde, stieg Krug zu Helmut Simshäuser in den Vorstand auf. „Ich war bei ihm Lehrling, Angestellter und Kollege“, sagt Krug. Die mehrjährige Weiterbildung für die neuen Aufgaben lief nebenher.

Die Bank wuchs, bis 1997 das heutige Geschäftsgebiet entstand. „Vier Fusionen habe ich mitgemacht und davon drei mitentschieden“, erzählt Krug. Darunter diejenige mit der Raiffeisenbank Schauenburg, mit der Claus-Rüdiger Bauer als Vorstandssprecher die Spitze übernahm. Der heute dritte Kollege im Führungsgremium, Michael Hohmann, kam 2003.

„Eine explosionsartige Entwicklung von Stadt und Bank“ hat Krug miterlebt - mit bis zu 30 Prozent Wachstum pro anno in den 70ern und 80ern. In Zahlen sieht das so aus: Umgerechnet 500.000 Euro hatte die Raiffeisenkasse Hertingshausen in der Bilanz, bei der Baunataler Bank sind es heute 500 Millionen Euro und genauso viel noch mal außerbilanziell. Die Hertingshäuser Genossenschaft hatte um die 400 Mitglieder, zum Baunataler Institut gehören 18.000.

Eine große Herausforderung brachte das Wachstum des VW-Werks: „Die Menschen wollten bauen, hatten aber kein Eigenkapital.“ Dass diese Finanzierungen gut gegangen sind, „das freut mich bis heute“, sagt Krug.

„Immer am Markt agiert“

Er selbst habe dabei „immer am Markt agiert“, nie allein in der Verwaltung, das ist ihm wichtig. Dazu passte, dass er viele Jahre das Privatkundengeschäft verantwortete. Dazu gehört für ihn auch, dass er stets mitten im Geschäftsgebiet wohnte: „Ich musste den Menschen in die Augen schauen.“ Dazu zählt, dass er nie in eine Großbank wollte. Bodenhaftung eben.

Sie bleibt. Als ehrenamtlicher Kirchenvorsteher, Vorstand der Waldinteressenten und Vorsitzender des Fördervereins Elisabethkirche - alles in Hertingshausen - engagiert sich Herbert Krug auch in Zukunft zwischen den Menschen.

Von Ingrid Jünemann

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