Neues Gebäude soll an Land Hessen weitervermietet werden

Stadt Baunatal will Investor Polizeirevier bauen lassen

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Wer erinnert sich noch? Bis Ende 1998 befand sich das Baunataler Revier im Rathaus, davor standen – auf dem heutigen Europaplatz – Polizeigaragen (links hinter dem Baum). Damals konnte man auch von der Ostseite ins Parkdeck der Stadthalle (rechts) fahren.

Baunatal. Die Stadt Baunatal wird einen Investor suchen, der an der Friedrich-Ebert-Allee beim neuen Kreisel ein neues Polizeirevier für 100 Beamte baut, das die Stadt mietet, um es dann wiederum der Polizei zu vermieten.

Und zwar für 30 Jahre. Das beschloss das Stadtparlament am Montagabend mit großer Mehrheit von SPD, CDU und den meisten Grünen. Das Modell wurde gewählt, weil das Land Hessen zum einen kein Geld zum Selberbauen hat, andererseits aber Ärger mit einem privaten Bauherrn aus dem Weg gehen will. In Kassel-Bettenhausen beim Revier Ost war der Zuschlag für einen Investor wegen vieler Pannen, die den Steuerzahler über 300 000 Euro kosteten, schief gegangen. Garagen, Sichtschutz und ein Funkmast fehlten, was zu monatelangem Leerstand führte, während aber Miete gezahlt werden musste.

Im Laufe des Jahres 2014 wird das neue Revier Südwet voraussichtlich fertig sein. Der eigentlich nur bis Ende 2013 laufende Mietvertrag für den bisherigen Standort Am Goldacker, der aus allen Nähten platzt, sei entsprechend verlängert worden, sagt Bürgermeister Manfred Schaub.

Ein Neubau in städtischer Regie kam nicht in Frage, so heißt es aus dem Rathaus, weil man ein solches Gebäude für kommunale Zwecke nicht benötige und das Vorhaben mit städtischem Personal auch nicht umsetzen könne. Zudem habe die Stadtverwaltung genug mit den in Baunatal erforderlichen Sanierungsprojekten. zu tun. Doch sieht die politische Mehrheit das doppelte Mietmodell angesichts eines Vertrags über drei Jahrzehnte als wirtschaftlich für Investor und Stadt an.

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Das Polizeirevier soll dreistöckig werden. Weil Baunatal an dem zentralen Standort aber keinen reinen Zweckbau will, erklärte sich das Stadtparlament grundsätzlich bereit, Geld für eine städtebaulich gefällige Gestaltung einzusetzen. So ist zum Beispiel eine Tiefgarage im Blick, um einen hohen Metallzaun oder eine Mauer zum Schutz der Polizeiautos zu vermeiden.

Zu den Baukosten will Bürgermeister Manfred Schaub nichts sagen. Man wolle keine Summe vorgeben, weil das Investoren daran hindern könnte, alles für den günstigsten Preis zu tun.

Einigkeit herrscht in der Baunataler darüber, dass eine Rückkehr der Polizei ins Stadtzentrum gut ist. Ende 1998 war das sechste Revier, wie es damals hieß, aus dem Rathaus an den Goldacker gezogen.

Die Stadtverordneten legten auf Anregung der Grünen fest, dass die Verträge mit einem Investor vor dem endgültigen Ja nochmals ins Parlament müssen. Den von der Ökopartei geforderten Passivhaus-Standard des Gebäudes lehnten SPD-Mehrheit und CDU ab: Das könne man nicht von vornherein festlegen, sondern es sei eine Frage der Kosten. Obwohl Grünen-Fraktionschef Edmund Borschel massive Kritik am Finanzierungsmodell, das den Steuerzahler teuer komme, an der Tiefgarage und dem Standort des Reviers geübt hatte, stimmten drei seiner Fraktionskollegen ebenso wie Sozial- und Christdemokraten am Ende zu, bei einer Enthaltung.

Von Ingrid Jünemann

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