Ein Koordinator überwacht Lagerung, Verpackung und Transport

VW geht bei Gefahrgut auf Nummer sicher

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Gefahrgut: Bernd Köhler (links) und Martin Landesfeind mit Luftfracht – Lackfarbe für Korea und Kleber für Brasilien. Die roten Aufkleber besagen: brennbare Stoffe.

Baunatal. Im Baunataler VW-Werk werden nicht nur Getriebe und Karosserieteile gefertigt, man geht auch mit gefährlichen Stoffen um. Die werden für die Produktion benötigt oder entstehen dabei. Zudem versendet der Betrieb Original Teile (VO) Dinge, die man als Laie nicht gleich als gefahrenträchtig einstuft, Stoßdämpfer etwa.

Bernd Köhler und Nachfolger Martin Landesfeind prüfen gefährliche Transporte bei VW in Baunatal

Die Sicherheitsvorkehrungen für Gefahrgut (7000 Tonnen 2011, die vermutlich höhere Zahl 2012 liegt noch nicht vor) kontrolliert ein Werkkoordinator. Dieser wechselt Anfang April: Martin Landesfeind (52) aus Felsberg-Böddiger übernimmt die Aufgabe von Bernd Köhler (58, Edertal-Königshagen), der in passive Altersteilzeit geht.

Ein Neuling ist Landesfeind nicht. Er arbeitet seit zwölf Jahren als Meister im Gefahrgutlager, kennt sich also aus – und muss dennoch eine Fülle weiterer Vorschriften lernen. Etwa aus dem acht Zentimeter dicken Vorschriften-Wälzer „Straße und Schiene“. Denn, so sagt Köhler: „Die Gefahrgüter wachsen mit dem Werk.“

Es gehe darum, Umweltschäden zu verhindern, zum Beispiel Verunreinigung des Grundwassers.

Einige Fakten:

• Täglich verlässt eine Lkw-Ladung Luftfracht mit Gefahrgut den Standort Baunatal.
• Giftige Abfälle wie Farbe, Reiniger, Verdünnung und viele mehr sind zu entsorgen.
• Aluminium, bei 900 Grad Celsius eingefüllt und bei Ankunft noch mindestens 720 Grad heiß, kommt in Spezial-Lkw für die Gießerei.
• Airbags, in denen sich Gas befindet, unter Druck stehende Stoßdämpfer, Batterien mit Säure, um nur drei Beispiele zu nennen, müssen nach Vorschrift für Luft- und Seefracht oder Lkw-Transport verpackt und deklariert werden.
• Öle, Additive, Benzin, Diesel und viele andere Stoffe sind sicher zu lagern und verstauen.

Natürlich packt, sichert und kennzeichnet der Koordinator nicht selbst. Das erledigen Mitarbeiter. Aber Köhler beziehungsweise Landesfeind kontrolliert stichprobenartig, ob die Vorgaben beachtet wurden. Er schult die Mitarbeiter und 80 Beauftragte in den fraglichen Bereichen von VO und Werk, er dokumentiert alles gegenüber dem Werkleiter, liefert dem Gefahrgutbeauftragten in der Wolfsburger Zentrale Daten, unterstützt die Überwachungsbehörden.

„Die Gefahrgüter wachsen mit dem Werk“

Einmal in elf Jahren wurde es für Köhler brenzlig. Da stand ein in Baunatal beladener Waggon mit organischem Peroxyd, einem Härter für Spachtelmaterial, auf dem Bahnhof Kornwestheim in Flammen. „Da hatte ich die eine oder andere schlaflose Nacht“, sagt Köhler. Er musste Bundespolizei und Eisenbahnbundesamt Rechenschaft ablegen. Am Ende stellte sich aber heraus: Im hiesigen Werk war alles richtig gemacht worden.

Die Behörden kontrollieren mittels Stichproben im Werk, auf der Straße, auf Bahnhöfen. Weitgehend unterliegt das Gefahrgut aber der Eigenverantwortung von VW. Den stärksten Druck, das sehen auch Köhler und Landesfeind so, erzeugt die Öffentlichkeit: Ein Schadensfall würde einen hohen Imageverlust der Autobauer bedeuten.

Von Ingrid Jünemann

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