VW in Baunatal: 16 Akademiker forschen für ihre Promotion – Konzern erhofft sich neue Erkenntnisse

Am Getriebe zum Doktortitel

Arbeit am Akustikprüfstand: Doktorand Mirko Reising misst den Geräuschpegel eines Getriebes, das noch gar nicht produziert wird und über das VW deshalb auch keine Auskunft gibt. Der 29-Jährige will für solche Tests ein Prognose-Modell entwickeln. Foto: Steinbach/nh

Baunatal. Bei VW in Baunatal werden nicht nur hunderte Lehrlinge ausgebildet, dort forschen und arbeiten auch junge Akademiker für ihren Doktortitel – 16 sind es zurzeit, was dem Schnitt der Vorjahre entspricht.

Einer ist Mirko Reising aus Braunschweig. Er entwickelt ein Prognose-Modell, mit dem der Geräuschpegel neuer Getriebe bewertet werden soll, ohne dass man diese in ein Auto einbaueb muss. Ziel des Unternehmens ist es, Fachkräfte heranzuziehen und Knowhow im Konzern zu halten.

„Ein hochmoderner Akustikprüfstand“, daran arbeite er, sagt Reising. Es gehe darum, ungewollte Geräusche bei den Getrieben der Zukunft auszumerzen. „Jeder mechanische Kontakt bedeutet ein Geräusch“, erläutert Reising. Um das zu untersuchen, werden die Getriebe bislang in Prototypen eingebaut. Die neue Methode soll diesen Aufwand und damit Kosten sparen.

Der 29-Jährige hat an der Technischen Universität (TU) Braunschweig Maschinenbau mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik studiert. Sein Doktorvater dort betreut nun die Dissertation, deren Erstfassung bis Ende des Jahres fertig sein wird. Bis indes der Titel vor dem Namen prangt, wird noch Zeit mit Prüfungen und Formalitäten vergehen.

Reisings Ziel lautet, nach drei Jahren bezahlter Doktorandenzeit im Konzern zu bleiben, möglichst in Baunatal, wo das Herz des VW-Getriebebaus schlägt. „Ich mache nichts für die Schublade“, agt der junge Diplom-Ingenieur. Er wolle, dass seine Erkenntnisse in der Praxis angewendet werden.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Man nehme potenzielle Mitarbeiter frühzeitig in die Personalplanung auf, informiere die betroffenen Fachbereiche und verfolge den Werdegang der Doktoranden, so sagt Sonja Piechowiak, Unterabteilungsleiterin im Personalbereich von VW in Baunatal. Bei Gesprächen nach zwölf und 24 Monaten erörtere man den Stand der Dinge und die Perspektiven.

Bei Eignung werde ein Übergang ohne Pause in ein festes Arbeitsverhältnis angestrebt. Bei einem Drittel der Promovierenden klappe das. Piechowiak: „Wir gewinnen so junge Talente, die wir an uns binden.“

Die Doktoranden erhalten einen dreijährigen Vertrag. Abgesehen davon, dass er Praxisnähe haben wollte, sei das eine absehbare Phase, sagt Mirko Reising. Und: Es entstehe „positiver Zeitdruck“. An einer Uni müsse man eher mit fünf Jahren kalkulieren.

Reising, der aus Stendhal (Sachsen-Anhalt) stammt und noch ohne Familie ist, hatte sich auf eine von VW ausgeschriebene Stelle beworben. Es gebe aber auch die Möglichkeit einer Initiativbewerbung, sagt Piechowiak. Wichtig sei, dass der Interessent schon einen Doktorvater hat und möglicherweise auch ein Thema. Volkswagen stelle einen Betreuer und biete ein spezielles Begleitprogramm für die jungen Akademiker.

Von Ingrid Jünemann

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