Alle Teile werden recycelt

Von der A49-Brücke bei Rengershausen ist nur noch ein Haufen Schutt übrig

+
Scheren und riesige Meißel im Einsatz: Die Arbeiten zum Abbruch der Brücke waren nur durch Planen vom Autoverkehr auf der A49 getrennt (links im Bild).

Baunatal. Die Erneuerung der maroden Brückenbauwerke der A 49 im Bereich von Rengershausen ist am Wochenende in eine neue Etappe gegangen.

Während der Autobahnverkehr in beiden Richtungen schon eine Weile über die bereits neu gebauten Brücken auf der dem VW-Werk zugewandten Seite rollt, wird nun die Brücke über die Landesstraße 3311 auf der Seite der Westfalen-Tankstelle abgebrochen.

Inzwischen ist von dem Bauwerk nichts mehr zu sehen. Doch nun müssen noch die gewaltigen, zwei Meter hohen und 16 Quadratmeter umfassenden Fundamente aus der Erde geborgen werden. Der Bau der neuen Brücke beginnt erst nächstes Jahr.

Ohrenbetäubender Lärm an der L3311

Je mehr man sich den vier gewaltigen Baggern an der Brücke über die Landessstraße 3311 nähert, umso ohrenbetäubender wird der Lärm. Die Beißzangen fressen sich mit einem Druck von 350 Tonnen in den Stahl bewehrten Beton der Widerlager der Brücke. Riesige Meißel hämmern das Material auf. Wer noch näher kommt, spürt, wie die Erde unter den Füßen bebt. 

Staub weht in einem dünnen Schleier über die nicht einmal einen Meter neben der Baustelle verlaufende Fahrbahn der Autobahn, auf denen die Autos und Lkw vorbeisausen. „Staubwolken, die sind ein Sicherheitsproblem für den Verkehr“, sagt Dennis Schnittger, Inhaber der gleichnamigen Baunataler Abbruchfirma. Vor allem nachts, wenn die Staubpartikel das Licht der Autos reflektieren. Deshalb besprühen die Arbeiter seiner Firma die Baustelle dann besonders intensiv mit Wasser.

Profis im Abbruchgeschäft: Max (von links) und Dennis Schnittger betreuen etwa 120 Baustellen pro Jahr im ganzen Bundesgebiet. Der Abriss der Autobahnbrücke bei Rengershausen war für sie ein Heimspiel: Ihr Betrieb ist nur ein paar Hundert Meter von der Autobahn entfernt. 

Rund 1800 Tonnen Stahlbeton und bis zu 50 Tonnen Stahlschrott werden am Ende von der etwa 40 Meter langen Brücke übrig bleiben. Und aus der Brücke wird später vielleicht eine Straße. Wie das geht? Schnittger weiß die Antwort: Noch vor Ort werden Stahl und Beton von seinen Leuten mit Maschinen zerkleinert. Der Stahl geht zum Schrotthändler. Den Beton verarbeitet Schnittger in seiner separaten Recycling-Firma zu gekörntem Material, das auch für den Straßenbau verwendet werden kann. „Alles wird wiederverwendet“, sagt Schnittger, dessen Sohn Max die Baustelle überwacht.

Das Abbruchgeschäft der bundesweit tätigen Baunataler Firma läuft gut. Im Umkreis von Kassel gebe es wohl noch 20 marode Brücken, sagt Dennis Schnittger. Und nicht nur Brücken haben die Abbruch-Profis im Visier. Auch im Unternehmenspark Kassel werde man einige alte Gebäude abreißen, sagt Schnittger. Sogar Hochhäuser habe man schon zerkleinert, ergänzt sein Sohn Max.

Hintergrund: Spannstahl ist anfällig für Rost

In den 60er-Jahren wurde nach Angaben der Experten Spannstahl verbaut, der anfällig für Korrosion ist.

Die beiden Brücken bei Rengershausen wiesen inzwischen „schwere statische Defizite“ auf, erläutert kürzlich ein Experte von Hessen Mobil. Diese Art von Stahl könne ohne Vorankündigung reißen.

Die Schäden an den Bauwerken der A 49 waren vor einigen Jahren bei Routinetests entdeckt worden. Daraufhin wurden 2012 und 2015 Notstützen aus Stahl unter den Brücken aufgestellt. Die Straßen unter den Bauwerken wurden dadurch in ihrer Breite eingeschränkt.

Grundsätzlich sollen während des zweijährigen Neubaus jeweils zwei Fahrspuren pro Richtung beibehalten werden. Die Brücken sollen von der Statik so vorbereitet werden, dass ein dreispuriger Ausbau der Autobahn möglich ist. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.