Baunatals Bürgermeister Schaub warnt aber vor Panik

Abgas-Affäre: Sorge um Steuer-Millionen von VW

Markenzeichen einer ganzen Region: Die Schornsteine des Kraftwerks im VW-Werk Kassel in Baunatal. Viele Menschen befürchten, dass sich die Krise bei Volkswagen auch negativ auf die Kommunen auswirken könnte. Archivfoto: Schachtschneider/nh

Die Krise bei Volkswagen erschüttert nicht nur den Konzern selbst. Die Region Nordhessen ist genauso von dem Wohl des VW-Werks in Baunatal mit rund 17.000 Beschäftigten abhängig.

Und natürlich die Stadt Baunatal, in der das zweitgrößte deutsche Werk steht.

In Baunatal sind die Kommunalpolitiker zumindest verunsichert. Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) spricht von Sorgen, warnt aber vor Panik.

In einem Zeitraum von sieben Jahren um die Jahrtausendwende lagen die Gewerbesteureinnahmen der 28 000-Einwohner-Stadt beispielsweise bei rund 250 Millionen Euro. Ein Großteil dieser Summe kam aus Wolfsburg. Im Schnitt war das ein jährlicher Geldsegen von 35 Millionen Euro.

2015 rechnete Baunatal immerhin noch mit rund 25 Millionen Euro Gewerbesteuer. Auch hier trägt nach Informationen der HNA der Autokonzern den Löwenanteil. Ob sich die aktuelle Abgas-Krise schon auf den Haushalt 2016 auswirken wird, darüber wird an der Bauna derzeit heftig spekuliert. Zumindest sind einige Kommunalpolitiker verunsichert.

„Wir haben natürlich Sorgen, warnen aber davor, in Panik zu verfallen“, sagt Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) im Stadtparlament. Er gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass 2015 bei dem Autobauer ein Jahr werden wird, wo die Stadt tatsächlich nicht besonders viel Geld aus Wolfsburg bekommen werde. Eine genaue Prognose wollte Schaub nicht abgeben. Schließlich schlage ein Verlust bei Volkswagen oft erst Jahre später durch. Die Stadt Baunatal unterliege bei den Gewerbesteuern einem komplizierten Berechnungsschlüssel. Grundsätzlich sprach Schaub ganz klar von einem „Image-Schaden“ bei dem Autokonzern. Er habe die Sorge, dass dies zu einer Verschlechterung der gesamten Wirtschaftslage führe. „Man muss gucken, wie sich der Image-Schaden niederschlägt.“ Jetzt schon konkrete Zahlen zu nennen, „das ist Kaffeesatzleserei“, so der Bürgermeister.

Extremer reagierte die Stadt Wolfsburg selbst. Dort zog Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) bereits die Notbremse. Er verhängte eine Haushaltssperre und einen Einstellungsstopp in seiner Verwaltung. „Auch wenn unsere Stadt schuldenfrei ist und wir Rückstellungen bilden konnten, sind deutliche Gewerbesteuereinbußen zu erwarten“, sagte der Oberbürgermeister nach Angaben von dpa. Auch die Stadt Baunatal hat für Krisenzeiten vorgesorgt. Immerhin schlummern noch rund 40 Millionen Euro in den Rücklagen. Ob allerdings große Sanierungsvorhaben wie der Umbau der Kulturhalle Großenritte, des Rathauses und der Stadthalle in den nächsten Jahren finanziert werden können, steht nach den VW-Betrügereien in den USA möglicherweise wieder in Frage.

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