Werk in Baunatal sieht sich auf dem richtigen Weg

Abgasskandal: Neuer VW-Vorstand fordert Kultur der Offenheit

Will eine neue Kultur im VW-Konzern: Vorstandschef Matthias Müller. Er fordert mehr Querdenkertum und weniger Stromlinienförmigkeit.

Baunatal. Eine „Kultur der Offenheit und der Kooperation" kündigte jetzt der neue VW-Vorstandschef Matthias Müller an.

Es ist einer von fünf wichtigen Schritten zur Neuaufstellung des Konzerns nach dem Abgasskandal. Noch mehr: Er fordert offen zu mehr Querdenkertum bei den Mitarbeitern auf.

Wie sehen die Verantwortlichen im VW-Werk Kassel in Baunatal diese Haltung, die sich gegen Jahrzehnte eingeübtes Duckmäusertum und Angepasstheit bei Volkswagen wendet?

Hans-Helmut Becker

„Ein angestrebter Wandel muss von der gesamten Mannschaft gelebt werden. Mit der Strategie 2018 hat Volkswagen in Kassel vor acht Jahren die Basis für eine einmalige Erfolgsgeschichte gelegt. Seit 2008 sind wir hierzu am Standort auf einem gemeinsamen ,Kasseler Weg‘, dessen Kernelemente das Werkmanagement mit dem Betriebsrat auch künftig fortschreiben wird“, sagt Werksprecher Heiko Hillwig. In der Mitarbeiterzeitung des VW-Werks in Baunatal „Pro Kassel“ sprechen Matthias Müller und Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh ebenso von einer neuen Kultur. „Eine Kultur, die uns dabei helfen wird, gestärkt aus der Krise hervorzugehen und die sicherstellt, dass sich Vergleichbares niemals wiederholen wird. Dazu brauchen wir weniger Stromlinienförmigkeit und mehr Querdenkertum.“ Hat also ein nicht offener Umgang die Arbeit im Baunataler Werk bislang möglicherweise behindert? Auf diese Frage sagt Werksprecher Hillwig knapp: „Nein, aus unserer Sicht nicht.“

Angepasstheit habe es bei vielen über Jahrzehnte auch in Baunatal gegeben, berichtet allerdings ein langjähriger Mitarbeiter gegenüber der HNA. Auch Müllers Vorgänger Martin Winterkorn sei ein General in der Tradition vieler Vorstandschefs gewesen, „mit dem Schattenmann Ferdinand Piëch im Rücken“, sagt er. Diese Haltung, Macht zu demonstrieren, habe sich bis in die untersten Ebenen auch im zweitgrößten deutschen VW-Werk fortgesetzt.

Falko Rudolph

Ganz unterschiedlich jedenfalls wirkten die letzten Werkleiter Falko Rudolph und Hans-Helmut Becker auf die Belegschaft. Becker galt als „Harter Hund“. Er war hemdsärmlig und direkt. Das brachte aber bisweilen ein Stück Offenheit nach innen und nach außen mit sich. Der Gießereiexperte aus Borken sorgte dafür, dass die Kluft zwischen Führungsebene und einfachem Mitarbeiter nicht zu groß wurde. So schickte er beispielsweise alle Führungskräfte für eine Woche zur Montage in die Werkshallen. Und er war sich auch nicht zu schade, mal den offenen Streit mit den Großen aus dem Vorstand zu suchen.

Nicht anecken

Falko Rudolph wirkte demgegenüber nüchterner und angepasster. Er war Herr über die Technik und liebte die Analyse. Rudolph wollte im Gegensatz zu Becker nicht anecken. Seine Entscheidungen fielen leiser aus. Dennoch galt der Entwickler keinesfalls als durchsetzungsschwach. Von einer Kultur der Offenheit war Rudolph, der kürzlich in Zusammenhang mit dem Abgasskandal beurlaubt worden war, aber wohl weit entfernt.

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