Mehr Tiere schießen

Afrikanische Schweinepest im Kreis Kassel: Jäger sollen die Seuche eindämmen

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Gelten als wichtigste Überträger der Schweinepest: Jäger sollen durch vermehrtes Schießen der Wildschweine helfen, die Ausbreitung der Seuche einzudämmen.

Baunatal. Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Für befallene Haus- und Wildschweine endet die Virusinfektion nahezu immer tödlich. Das Regierungspräsidium Kassel (RP) wappnet sich gegen die Seuche.

Bei einer Infoveranstaltung des RP in der Baunataler Stadthalle mit rund 150 Besuchern wurde deutlich, welche große Unsicherheit über die Folgen der Seuche unter Landwirten und Jägern herrscht. „Landwirte sind in ihrer Existenz bedroht, wenn die Afrikanische Schweinepest kommt“, sagte Karl Apel vom Hessischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium.

Erich Schaumburg

Zumindest bei der Ausbreitung der Seuche kommt den Wildschweinen eine Schlüsselrolle zu: Je mehr es davon gibt, desto größer die Gefahr, dass befallenes Schwarzwild den Virus weiter verbreitet. Hier sei die Jägerschaft gefragt, sagte Apel. Diese hätten zwar gute Abschusszahlen, das reiche aber längst nicht. Denn wegen der guten Lebensbedingungen der Tiere würden die Bestände trotzdem eher wachsen. „Wir werden deutlich mehr Tiere schießen müssen“, so Apel.

Die Jäger müssten außerdem viel mehr weibliche Tiere (Bachen) und weibliche Jungtiere schießen, um die Fortpflanzung zu bremsen und vermehrt Bewegungsjagden organisieren. Dann müsse aber auch deutlich werden, „dass das Land Hessen hinter seinen Jägern steht“, erklärte Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Diese sähen sich häufig mit Protesten von Tierschützern konfrontiert. Außerdem müsse das Land den Jägern bei der Vermarktung des Wildbrets helfen. Mit dieser Forderung stand Schaumburg in der Versammlung nicht allein.

Gemeinden sind zuständig

Für das Aufsammeln und Entsorgen der an der Krankheit verendeten Wildschweine werden laut Dr. Gisela Isa von der Task-Force Tierseuchen beim RP die Gemeinden zuständig sein. Einige Besucher waren skeptisch, ob das funktioniert. Es müsse ja rund um die Uhr einen Ansprechpartner geben. 

Karl Apel

Er habe schon erlebt, dass Fallwild fünf Tage liegen geblieben sei, sagte Jagdaufseher Norbert Althans aus Gudensberg gegenüber der HNA. Der RP sei bereits dabei, Bergungssets für Fallwild zu beschaffen, sagte Dr. Britta Deppe vom RP. Für das Einschleppen des Virus sei allerdings der Mensch sowie der grenzübergreifende Verkehr das größte Risiko.

Isa beschrieb die Folgen der Seuche drastisch: Ganze Schweinebestände müssen getötet, Sperr- und Pufferzonen eingerichtet werden, der Verkauf und Export von Fleisch würde einbrechen. Der Kreis Waldeck-Frankenberg hat sich schon mit einer Desinfektionsschleuse für den Ernstfall gewappnet. „Die können sich die Leute mal anschauen“, sagte dessen Kreisbeigeordneter Friedrich Schäfer.

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