Maskierter Demonstrant

Aktion am Rosenmontag: Rentner aus Baunatal kämpft um Demokratie

Demo gegen Missstände in der politischen Landschaft: Horst Fassauer (Bildmitte) stattete am gestrigen Rosenmontag auch der Kantine im Kreishaus an der Wilhelmshöher Allee einen Besuch ab. Mit auf dem Bild sind Jürgen Strothmann (links) und Thomas Ewald von der Kreisverwaltung. Foto: Wohlgehagen

Baunatal. Immer am Rosenmontag schlägt die Stunde des Rentners Horst Fassauer (76). Gestern machte sich der wackere Einzeldemonstrant aus Baunatal auf den Weg nach Kassel, um in öffentlichen Verkehrsmitteln, großen Kantinen und auf dem Uni-Gelände auf Missstände in der Politik aufmerksam zu machen.

Im Vorjahr ging es dem gelernten Anästhesiepfleger noch um den Dreck und Hygienemängel in Trams und Regionalzügen, dieses Jahr war „Der wahre Politiker“ sein Thema. „Meine Appelle richten sich an die kluge Schicht in der Gesellschaft, die immer mehr wegschaut und sich immer weniger zu Wort meldet“, sagte Fassauer der HNA.

„Die Deutsche Bahn macht krank statt mobil“, „Jahrelanges Ringen um Mindestlohn - Diätenerhöhung 1-Tages-Akt“ oder „Politiker lügen nicht, im höchst unwahrscheinlichen Fall sagen sie die geringstmöglichste Unwahrheit“. Mit bewusst überzogenen Sprüchen teilt der Baunataler den Leuten an seinem Körper und auf Flugblättern mit, was ihm auf der Seele brennt. Das sei so ein Rosenmontags-Spinner, schienen einige Besucher im Grimm-Bistro der Kreisverwaltung zu denken. Sie machten einen Bogen um die wandelnde Litfasssäule.

Andere mieden den Kontakt nicht. „Die schlechte Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Hamburg muss jeden Demokraten wachrütteln“, sagte Landkreis-Mitarbeiter Jürgen Strothmann, der sich vor dem Essen kurz über Horst Fassauers Thesen informierte.

Dem ging es auch um Kritik an Energiekonzernen, eine Spende für streikende, „notleidende“ Lokführer oder den kritischen Umgang mit mobiler Ernährungsweise.

Er habe schon in der Straßenbahn eine ganze Menge gebündelter Zustimmung erfahren, „auch von einer Schulklasse“, sagte Fassauer in einer ersten Bilanz. Mit seinen Aktionen wolle er für den Erhalt der Demokratie eintreten, die man nicht wie vor 70 Jahren ohne nachdrückliche Gegenwehr aufs Spiel setzen dürfe.

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