Rentner bekam mehrere Briefe

Angebote per Fax: Betrüger locken mit 57,6 Millionen Dollar

Wird immer wieder per Fax angeschrieben: Günter Schafdecker aus Hertingshausen. Angeblich erwarten ihn hohe Geldsummen in Spanien. Foto: Kühling

Baunatal. Wenn Günter Schafdecker die vier Schreiben aus Spanien für bare Münze nehmen würde, dann wäre er zumindest in Gedanken ein reicher Mann. Vier Briefe - zwei auf Deutsch, zwei auf Englisch - hat der 83-jährige Hertingshäuser in den vergangenen Wochen per Fax erhalten.

Jedes Mal wurde ihm darin eine enorme Summe Geld versprochen: „Zusammen sind es 57,6 Millionen Dollar“, sagt der Kaufmann im Ruhestand.

In jedem Fax meldet sich eine angebliche Anwaltskanzlei bei Schafdecker. Jedes Mal geht es in dem beschriebenen Fall um einen vermeintlichen Namensvetter des Hertingshäusers. Dieser sei verstorben, jetzt suche man einen Angehörigen, sonst werde das Geld konfisziert und falle an den spanischen Staat.

Von der ersten Sekunde sei er sich sicher gewesen, dass es sich hierbei um Betrug handelt, betont Günter Schafdecker. „Mein Sohn, mein Enkel und ich sind weltweit die einzigen mit dem Namen Schafdecker.“

Der Hertingshäuser, der viele Jahre als Kaufmann in der Fenster-Branche arbeitete, reagierte nicht auf die Aufforderung, sich telefonisch bei den angeblichen Anwälten in Spanien zu melden. „Ich bin da ganz vorsichtig“, sagt der 83-Jährige. Er bedauere es daher immer wieder, wenn manch anderer Senior auf solche Betrügereien hereinfalle.

Die Schilderungen der Absender beispielsweise in einem Brief vom 3. August sind abenteuerlich. Dort schreibt der angebliche Anwalt Don Garcia Fajardo, dass ein „Manfred Schafdecker“, sein Klient, im Mai 2008 mit seiner Familie „bei der Katastrophe Zyklon Nargis in Myanmar“ ums Leben gekommen sei. Günter Schafdecker solle sich nun als dessen Verwandter ausgeben und dafür 7,2 Millionen Dollar bekommen. „Seien Sie versichert, dass dieses Geschäft 100 Prozent risikofrei ist, da ich alle Modalitäten ausgearbeitet habe, um den Vorgang erfolgreich abzuschließen“, schreibt der Absender. Und dann fordert er noch eine Beteiligung an der zu erwartenden Erbschaft von 50 Prozent.

Eva Raabe von der Verbraucher-Zentrale Hessen in Kassel hat nur einen Rat für solche Betrugsversuche über Fax und das Internet. „Alles löschen, und bei einem Anruf auflegen.“ Insgesamt könne man sich gegen solche Attacken kaum schützen, sagt Raabe.

Das sagt die Verbraucherzentrale 

„Im Internet bekommen wir auch jeden Tag solche Angebote“, sagt Eva Raabe, Leiterin der Verbraucher-Zentrale Hessen in Kassel. Immer wieder meldeten sich angebliche Rechtsanwälte oder Bankmitarbeiter aus Südafrika, Mittelafrika und Spanien und böten dubiose Geschäfte an. „In der Regel wird dann auch gleich ein Geldbetrag gefordert“, sagt Raabe.

Raabe hat beobachtet, dass manch ein Betroffener dazu neigt, einen Betrag von 300, 400 oder 500 Euro zu überweisen - in Erwartung eines Millionenbetrages. Vor allem ältere Menschen seien da anfällig, sagt sie.

„Man sollte aber gar nichts unternehmen. Sonst besteht die Gefahr, dass man immer weiter Post und Anrufe bekommt. Und auf keinen Fall sollte man irgendetwas bezahlen.“

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