Bei Sanierung vor neun Jahren

Aqua-Park in Baunatal: Millionen-Schaden am Dach durch Pfusch am Bau?

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Der Baunataler Aqua-Park aus der Luft: Die erst 2008 umfassend sanierte Dachkonstruktion über dem Freizeitbad (links) ist bereits wieder marode. Wasser ist an mehreren Stellen eingedrungen. Rechts ist das Sportbad zu sehen.

Baunatal. Bei der Sanierung des Aqua-Parks vor neun Jahren ist vermutlich auch beim Aufbau der neuen Dachkonstruktion gepfuscht worden. Davon gehen jedenfalls das Baunataler Rathaus und die Spitze der Stadtwerke aus.

Das Dach des für fünf Millionen Euro modernisierten Bades ist aufgrund eindringender Feuchtigkeit schon wieder marode.

Erste Stadträtin Silke Engler (SPD), die auch für die Stadtwerke verantwortlich ist, hält es inzwischen sogar für möglich, dass die Konstruktion für rund 1,25 Millionen Euro komplett erneuert werden muss.

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Probleme mit dem Bad.

Im Frühjahr nun sei man durch das Eindringen von Nässe auf Schäden am Dach aufmerksam geworden, berichtet Engler. Im August habe man schließlich einen Sachverständigen eingeschaltet. „Der hat vier Probeöffnungen am Dach gemacht.“ Ergebnis: An einigen Stellen war die Konstruktion über dem Freizeitbad vollständig von Nässe durchdrungen, an einigen Stellen gab es lediglich Feuchtigkeit. Andere Punkte waren komplett trocken.

Der Gutachter kam laut Engler zu dem Schluss, dass die Gründe für das Eindringen des Wassers in der jüngsten Sanierung vor neun Jahren zu suchen seien. Man gehe davon aus, dass Fehler damals bei dem Planungsbüro, bei den ausführenden Firmen und bei dem beaufsichtigenden Architekten-Büro gemacht worden seien, erläutert die Vizebürgermeisterin weiter. „Alles scheint auf erhebliche Planungs- und Ausführungsfehler hinzudeuten.“

Laut Engler dringt Wasser etwa durch nicht ordentlich gearbeitete Kanten und Nähte ein. Außerdem habe sich ein Fallrohr gelöst, wodurch Wasser ins Dach gelaufen sei. „Das lag hinter Putz. Das konnte man von außen nicht sehen.“

Die Stadt hat ein Beweissicherungsverfahren gegen die Firmen eingeleitet. Mit einem gerichtlichen Gutachten solle die Ursache für den aufgetretenen Schaden geklärt und Verantwortliche benannt werden, heißt es aus dem Rathaus weiter. Danach werde sich klären, „ob ein möglicher Schadenersatzanspruch erfolgreich vor Gericht geltend gemacht werden kann“.

Mit 45 000 Euro sollen zunächst erste Schäden behoben werden. Bis Frühjahr, so Engler, soll eine Planung zur Sanierung erarbeitet werden. „Der Badbetrieb kann ungehindert weiterlaufen“, betont sie. Die tragende Konstruktion sei auf ihre Standfestigkeit geprüft worden.

1,25 Millionen Euro für Komplettsanierung

Ob der Aqua-Park zumindest in Teilen während der Sanierung, die ab dem Spätsommer über die Bühne gehen soll, geschlossen werden muss, steht noch nicht fest. Das Geld für eine Komplettsanierung – rund 1,25 Millionen Euro – will das Rathaus jedenfalls im Haushalt 2018 bereitstellen. Engler: „Im schlimmsten Fall müssen wir das Dach neu machen.“ 

Bad seit Jahren Fass ohne Boden

Der Aqua-Park gilt seit Jahrzehnten als Millionengrab. Immer wieder kam es nach Umbauphasen des Schwimmbades zu Nachbesserungen. Ob Fliesen, die sich nach kurzer Zeit lösten, Rollen der verschiebbaren Dachkonstrukltion des Sportbades, die nach wenigen Wochen den Geist aufgaben oder jetzt das neue Dach des Freizeitbades, das offensichtlich falsch aufgesetzt wurde, die Liste ist lang..

Kostenexplosion

Schon Ende der 80er-Jahre explodierten die Kosten für den großen Umbau des Schwimmbades. Kalkuliert waren damals 12,5 Millionen Mark (6,4 Mio. Euro). Tatsächlich gab die Stadt 24 Millionen Mark (12,2 Mio. Euro) aus. Das markanteste Beispiel war der Einbau von Rollwänden in das Sportbad, damit sich die Seitenteile und das Dach des Bades im Sommer öffnen lassen. Die Rollen unter den riesigen Türen funktionierten schon kurz nach dem Einbau nicht mehr. Zunächst ließen sie sich nur noch zweimal pro Jahr bewegen, einmal vor der Sommersaison und einmal danach. Irgendwann ging gar nichts mehr. Für mehrere Millionen Euro wurde nachgebessert.

Fliesen platzten ab

Zuletzt 2008 wurde das Freizeitbad für fünf Millionen Euro umfassend modernisiert. Doch auch bei diesem Umbau wurde offensichtlich gepfuscht. 2013 platzten die ersten Fliesen des frisch verlegten Bodens schon wieder ab. Feuchtigkeit war von den Beckenabgrenzungen in die unteren Schichten eingedrungen. Die Firmen hatten nach Ansicht eines vom Landgericht bestellten Gutachters sowie der Stadtwerke nicht sorfältig gearbeitet. Die Stadt machte das Bad ab Juni 2014 für mehrere Monate dicht und gab 1,35 Millionen Euro für die neuerliche Sanierung aus.

Gerichtsverfahren

Bis heute läuft ein Gerichtsverfahren. Rund eine Million Euro will das Rathaus von den damals am Umbau beteiligten Firmen an Schadenersatz zurück bekommen. Das Rathaus warte immer noch auf ein Ergänzungsgutachten, erläutert Erste Stadträtin Silke Engler. Erst wenn dieses vorliege, entscheide die Stadt, ob sie Klage erheben werde. Eine umfassende Sanierung des aus dem Jahr 1992 stammenden Sportbades ist ab dem Jahr 2020 geplant. Unter anderem geht es darum, die enormen Energiekosten für die Anlage zu mindern. 

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