Tausende Tote auf den Straßen

Augenzeuge aus Baunatal berichtet vom Erdbeben in Nepal

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War in Nepal unterwegs: Der Guntershäuser Michael Morowski. Das Bild zeigt ihn auf einem Archivbild der HNA zu einem früheren Bericht.

Baunatal/Kathmandu. „Man kann gar nicht in Worte fassen, was wir alles dort gesehen haben." Der Baunataler Michael Morowski spricht von tausenden Toten auf den Straßen in Nepal.

Per E-Mail erreichte uns am Mittwoch ein Nachricht des 61-jährigen Nordhessen, der gemeinsam mit seiner Frau zum Zeitpunkt des Erdbebens in Kathmandu war.

„Während des ersten Bebens hat sich die Straßendecke 40 bis 50 Zentimeter nach oben und unten bewegt“, berichtet Morowski. „Man konnte nur noch laufen, wusste aber nicht wohin. Es sind Backsteine durch die Luft geflogen, und massive Strommasten samt Leitungen fielen auf Autos.“

Der Guntershäuser berichtet von chaotischen Zuständen in der Hauptstadt Nepals. Vor allem am Flughafen sei die Lage sehr unübersichtlich. „Die Ärzte sind überfordert.“

Völlig zerstört: Die Betreiberin eines Ladens sitzt auf den Trümmern eines kaputten Tempels und beobachtet die Rettungsarbeiten rund um ihr Geschäft in Kathmandu.

Die erste Nacht übernachtete das Ehepaar, das sich auf einer Rundreise befand, aus Angst vor Nachbeben in der Lobby des Hotels sowie auf dem Boden vor dem Gebäude. Anschließend, so berichtet Morowski, hätten die Gäste das Hotel verlassen müssen, obwohl sie dafür eine Buchung hatten. „In unserem Hotel waren 100 Zimmer leer. Anfragen von Touristen wurden abgelehnt, das Tor wurde geschlossen. Ende.“

Eine Reisegruppe von Jugendlichen hatte ihr komplettes Gepäck durch das Erdbeben in einem Hostel verloren. „Die haben nachts bei Regen und nächtlicher Kälte im Park ohne Decken und Schlafsack geschlafen. Nach zwei Tagen waren die fertig.“ Eine andere Gruppe habe 40 Kilometer zu Fuß aus dem Umland nach Kathmandu laufen müssen.

Michael Morowski berichtet aber auch davon, „dass einige mit dem Elend noch versuchen, reich zu werden.“ Ein One-Way-Flugticket koste pro Person zwischen zwei- und dreitausend Euro.

Die Baunataler hatten nach den Erlebnissen nur ein Ziel: Schnell weg aus der Erdbebenregion. Nur durch Zufall hätten sie ein Flugzeug am Flughafen erwischt. Manche Wartende hätten Schwächeanfälle erlitten, berichtet Michael Morowski weiter. Der Einstieg in ihre Maschine habe allein zweieinhalb Stunden gedauert. „Die Nepali legten dabei großen Wert auf die Trennung von Männern und Frauen.“

Von Kathmandu sei die Reise über Delhi, Bahrain nach Dubai gegangen. Mitte Mai will das Ehepaar zurück in Baunatal sein. In der Schilderung Morowskis wird immer wieder deutlich, dass die schrecklichen Erlebnisse noch nachwirken werden. „Es kommt immer wieder über einen. Wir werden einige Zeit brauchen, um das zu verarbeiten.“

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