Mit dem Tablet an den Maschinen: Ausbildung bei VW in Baunatal wird digital

Baunatal. Maschinen steuern, kontrollieren und reparieren – das geht bei Volkswagen in Baunatal bald nur noch mit Hilfe eines Tablets. Überall stößt der Mitarbeiter auf digitale Technik.

Bauteile werden bald die Produktion durchlaufen und den Maschinen sagen, wie sie bearbeitet werden müssen. Die digitale Information dazu fährt im Material mit. Themen wie Digitalisierung und Industrie 4.0 halten zunehmend Einzug auch in die Berufsausbildung an der Volkswagen-Akademie im Baunataler Werk.

„Wir haben es mit einer Unmenge an Daten zu tun“, sagt Herrmann Hartig, der zum Jahresende die Leitung der Volkswagen-Akademie wieder an seinen Vorgänger Dr. Stefan Kreher abgibt. „Ich bedauere, dass ich nicht mehr dabei bin. Das fasziniert mich schon das Thema“, sagt der 65-Jährige zum Wandel in der Ausbildung. Hartig geht nach 30 Jahren in der Akademie und drei Jahren als Leiter in den Ruhestand.

Stefan Kreher (45) war 2014 nach Wolfsburg gewechselt und hatte die Gesamtverantwortung für die Ausbildung bei VW übernommen. Diese Aufgabe sei gesplittet worden, erläutert Kreher. Er sei jetzt zuständig für die Ausbildung aller Komponentenwerke und gleichzeitig wieder Chef der Akademie in Baunatal.

Um bei der Geschwindigkeit einer globalen Digitalisierung Schritt halten zu können, ändert der Konzern sogar die eigenen Ausbildungsgänge. Für die Zweige Elektroniker für Automatisierungstechniker und Mechatroniker beispielsweise habe man 34 Kompetenzen geändert, so Kreher. Während in anderen Werken beispielsweise eigene Fachinformatiker ausgebildet werden, verschmelze diese Welt zunehmend mit den klassischen Ausbildungszweigen. Sprich: Ein Mechatroniker muss künftig Aufgaben eines Informatikers mit übernehmen.

Tablet ist Normalität

Für die Azubis in der Akademie ist der Umgang mit dem Tablet inzwischen Normalitäte. „Die haben in der Berufsausbildung schon Technik, die das Werk noch gar nicht hat“, sagt Kreher. In der Logistik, so ergänzt Hartig, gebe es etwa ein Pilotprojekt zur sogenannten RFID (englisch Radio-Frequency Identification) „Die Teile geben selber Informationen. Sie sagen den Maschinen: Hier bin ich, verarbeite mich so oder so.“

Kritik üben der Akademieleiter und der scheidende Chef an den geltenden Prüfungsordnungen für die Ausbildungsgänge. Diese seien gegenüber der Entwicklung veraltet. „Die stammen zum Teil aus dem letzten Jahrtausend“, so Hartig. Kreher fragt sogar: „Brauchen wir neue Berufe?“

Im Gegenzug räumen beide allerdings ein, dass die Digitalisierung auch bei VW in Baunatal nicht von heute auf morgen alle Bereiche erfassen wird. Kreher: „Wir werden immer noch die alte Welt haben, weil wir gar nicht das Geld haben, sofort alles umzubauen.“

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