Prozess in Kassel

Babys gequält: Vater soll Zwillingen mehrere Knochen gebrochen haben

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Kassel. Welche Qualen die beiden Zwillings-Babys wenige Tage nach ihrer Geburt im Dezember 2014 erleiden mussten, lässt sich nur ahnen: Ein Vater soll den Kindern mehrere Knochen gebrochen haben.

Gebrochene Rippen, ein gebrochener rechter Unterarm bei dem einen Säugling, ein Oberschenkelhalsbruch, eine Fraktur im Oberschenkel, drei gebrochene Rippen bei seinem Brüderchen, Hämatome hatten beide. Wegen des Missbrauchs von Schutzbefohlenen steht seit Mittwoch der 31-jährige Vater der Zwillinge vor dem Amtsgericht. Richter Leyhe unternimmt mit seinen Schöffen nach 2016 bereits den zweiten Anlauf, die Ereignisse vor vier Jahren in Baunatal juristisch aufzuarbeiten.

Staatsanwältin Julia Beinroth spricht in ihrer Anklage von enormen Kräften, die auf die zarten Säuglingskörper eingewirkt haben müssen. In beiden Fällen, die sich im Zeitraum zwischen Dezember 2014 und März 2015 ereignet haben müssen, seien die Babys nicht zum Kinderarzt gebracht worden. Der Vater und auch die Mutter hätten dadurch dauerhafte Schäden für die Babys in Kauf genommen.

Nachdem die Verletzungen der Kinder endlich von den Behörden erkannt wurden, waren wochenlange Klinikaufenthalte für die Babys erforderlich, die heute in einer Pflegefamilie ein vorläufiges Zuhause gefunden haben.

Der Vater der Babys, ein korpulenter Mann mit beginnender Stirnglatze und langen, bis in den Nacken fallenden Haaren, antwortet freimütig auf die behutsamen Fragen von Richter Leyhe, dem es zum Prozessauftakt um die Aufklärung der Taten, aber auch um die familiären und sozialen Hintergründe des arbeitsunfähigen Mannes geht.

Bei der ersten Tat sei er mit dem Baby auf dem Arm gestürzt und auf die Bettkante gefallen. Mutter und Großmutter der Kinder hätten einen Arztbesuch nicht für erforderlich gehalten.

Wenige Wochen später der zweite Vorfall: Diesmal sei er mit dem Kind im Arm auf der Kellertreppe gestolpert. Auch hier habe die Oma gesagt: „Man muss nicht wegen jedem Kram zum Arzt rennen.“

Die eigene Kindheit schilderte der in Hofgeismar geborene und dort auch wieder lebende Mann als vom alkoholtrinkenden, gewalttätigen Vater geprägt, der die acht Kinder und seine Ehefrau geprügelt habe. Auch in dem damals von mehreren Generationen der Familie der Kindesmutter bewohnten Haus in Baunatal, sei der Alkohol prägend gewesen. Er selbst trinke wegen der Erinnerungen an den Vater kaum Alkohol.

Die Babys hätten oft geschrien, was die Mutter aber nicht gehört haben will. Die habe sich um die beiden älteren Kinder, er um die Zwillinge gekümmert.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag fortgesetzt. Dann sollen ein Arzt und eine Vertreterin des Jugendamtes als Zeugen gehört werden.

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