Baunatal, KVG und Polizei sehen keinen Handlungsbedarf

Bahntrasse Richtung Baunatal bleibt ohne Fußweg

Baunatal / Kassel. Der Tod eines 48-jährigen Mannes aus Kassel auf den Bahnschienen zwischen Kassel-Oberzwehren und Baunatal wirft erneut die Frage nach einem Fußweg auf.

Doch die Stadt Baunatal, die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) und die Polizei sehen derzeit keinen Handlungsbedarf.

Der Mann war am 20. Oktober auf den Bahnschienen zwischen der Stadtgrenze und der Straßenbahn VW-Werk-Schleife von einer Straßenbahn erfasst und dabei tödlich verletzt worden. Er war bei Dunkelheit auf den Gleisen unterwegs gewesen.

Damit erhöht sich die Zahl der tödlichen Unfälle auf den Schienen zwischen Kassel-Oberzwehren und Baunatal seit der Neujahrsnacht 2003 auf drei. Schon damals gab es Überlegungen zu einem Gehweg an der Altenbaunaer Straße, doch gebaut wurde er bislang nicht.

Inzwischen sind zwei weitere Menschen auf den Gleisen in diesem Bereich tödlich verunglückt. Die Polizei bewertet den Abschnitt damals wie heute aber nicht als Unfallschwerpunkt. „Die Unfälle hatten individuelle Ursachen“, so Polizeisprecher Torsten Werner. Insofern müssten keine besonderen Vorkehrungen getroffen werden.

Die Stadt Baunatal gibt auf HNA-Anfrage an, in der Vergangenheit und aktuell nach dem tödlichen Unfall den Bereich und die Verbindung zwischen Baunatal und Kassel auf weitere Möglichkeiten untersucht zu haben. „Hierzu haben zahlreiche Gespräche mit der ermittelnden Polizei als auch zuletzt im Arbeitskreis Sicherheit stattgefunden“, erklärt Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub (SPD).

So sei der Bereich entlang der Altenbaunaer Straße zwischen Mattenberg und Altenbauna bereits im Jahr 2013 Gegenstand einer Verkehrsschau gewesen. Dort seien in einer Kurve zwei Zufahrten der Landesstraßen 3219 und 3311 zu Volkswagen und zur Autobahn 44 zu überwinden. „Es besteht Einigkeit, dass in dieser Kurvensituation kein gesicherter Übergang geschaffen werden kann“, so Schaub.

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Der SPD-Politiker verweist auf die bestehende Fuß- und Radwegverbindung aus der Julius-Leber-Straße in Richtung Bahnhof Altenbauna. Diese sei asphaltiert, autofrei, breit und beleuchtet, so Schaub. Er betont, dass selbst ganz nahe liegende Angebote nicht verhinderten, dass sich Menschen über das Verbot des Betretens von Schienen hinwegsetzten. „Deshalb ist auch die einfache Addition von Unfällen ohne einzelne Betrachtung der Ausgangssituation sicher nicht die geeignete Grundlage für die Beurteilung.“

Die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) verweist auf die noch laufenden Ermittlungen. „Die Staatsanwaltschaft Kassel hat ein Gutachten in Auftrag gegeben. Wir haben keine Information darüber, ob dieses mittlerweile vorliegt“, so KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Das Nahverkehrsunternehmen sei ausschließlich für die Schienentrasse und die Fahrzeuge verantwortlich. „Beide waren nach unserem ersten Eindruck in Ordnung.“ Solange die KVG keine anderslautende Mitteilung von der Staatsanwaltschaft bekomme, sehe sie keinen Handlungsbedarf, so Hamdad.

Die Staatsanwaltschaft Kassel teilte auf Anfrage der HNA mit, dass das Verfahren bislang noch nicht abgeschlossen sei. „Es war ein Sachverständiger vor Ort, der derzeit ein Gutachten erstellt“, so Pressesprecher Dr. Götz Wied.

Von Nicole Schippers

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