Nach Banküberfall in Baunatal: Frauen seltener Täter als Männer

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Wurde überfallen: Die Sparkassen-Filiale an der Wilhelmshöher Straße in Altenritte. Zwei Frauen haben die Tat gemeinsam begangen. Die 39- und 42-jährigen Komplizinnen wurden von der Polizei kurz nach dem Überfall gefasst.

Baunatal. Kriminalität im Landkreis Kassel ist vor allem männlich, nur 22 Prozent aller Tatverdächtigen im vergangenen Jahr waren weiblich.

In Baunatal sorgte kürzlich ein ungewöhnlicher Banküberfall für Wirbel: Zwei Frauen raubten am 14. Oktober gemeinsam eine Filiale der Kasseler Sparkasse in Baunatal-Altenritte aus. Eine 39-jährige Baunatalerin sowie ihre 42-jährige Komplizin gingen der Polizei schon kurz nach der Tat ins Netz.

Ungewöhnlicher Fall

Ungewöhnlich ist der Überfall, weil er von zwei Frauen begangen worden ist. Denn Frauen werden sehr viel seltener straffällig als Männer. „Generell gilt: Frauen sind nicht so kriminell wie Männer“, sagt Dr. Britta Bannenberg, Kriminologin an der Universität Gießen.

Statistiken der Polizei belegen das auch für Stadt und Landkreis Kassel: Im Stadtgebiet Kassel gab es im Jahr 2014 insgesamt 8251 Tatverdächtige, davon waren 6174 männlich und 2077 weiblich. Das sind rund 25 Prozent. Im Landkreis Kassel waren von 3527 Tatverdächtigen 2762 männlich und 765 weiblich - rund 22 Prozent.

Sieben Überfälle seit 2011

In den vergangenen fünf Jahren sind in Stadt und Landkreis Kassel lediglich sieben Überfälle von Frauen begangen worden. Das teilte die Polizei auf Anfrage der HNA mit. Im Jahr 2011 überfielen unterschiedliche weibliche Tatverdächtige zwei verschiedene Kioske im Kasseler Stadtgebiet. Zwei Überfälle mit weiblicher Beteiligung gab es im Jahr 2013: Damals kam es zu einem Überfall auf eine Tankstelle und zu einem versuchten Überfall einer Spielothek. Beide Taten wurden in Kassel begangen. 2014 überfielen zwei Täterinnen einen Pizzabringdienst im Landkreis Kassel.

In diesem Jahr gab es neben dem Banküberfall in Baunatal bislang zwei weitere Fälle mit weiblichen Tätern. Im Kasseler Stadtgebiet wurde eine Tankstelle überfallen und im Landkreis Kassel gab es einen Überfall auf eine Postfiliale in einem Lebensmittelmarkt.

Warum Frauen weniger kriminell sind als Männer, erklärt die Kriminologin Britta Bannenberg: „Das ist bedingt durch eine Mischung aus biologischen Faktoren, gesellschaftlichen Erwartungen und unterschiedlichen Wertvorstellungen der Geschlechter.“ So seien Frauen körperlich weniger präsent, hätten weniger Kraft und neigten insofern allein aufgrund ihrer biologischen Konstitution seltener als Männer zum körperlichen Ausleben von Aggression. Zudem würden Frauen eher dazu angehalten, nicht zu laut und vehement zu sein. „Von Männern erwartet die Gesellschaft hingegen, durchsetzungsstark zu sein.“

Schließlich hätten Studien gezeigt, dass Frauen im Hinblick auf Konfliktlösung andere Wertvorstellungen als Männer haben, sagt die Kriminologin. „Während Frauen Konflikte eher friedlich lösen möchten, tendieren Männer dazu, sie körperlich auszutragen.“

Wenn Frauen aber doch straffällig werden, dann würde die Gesellschaft darauf anders reagieren als auf männliche Kriminalität: „Oft werden Taten von Frauen mit mehr Nachsicht bewertet“, sagt Bannenberg. Bei besonders schweren Delikten hingegen käme es oft zur Dämonisierung: „Dann wird schnell von einer Hexe gesprochen, vom Bösen in Lebensgestalt.“

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