„Die streuen auf Teufel komm raus“

Baunatal-Großenritte: Ärger über Massen von Streusalz auf Gehwegen

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Wunde Hundepfoten: Der tägliche Spaziergang führt Jürgen Kalupp mit Mischlingshündin Jule über stark gestreute Fußwege, das greift die empfindlichen Pfoten der Hündin an.

Baunatal. Jürgen Kalupp aus Baunatal-Großenritte ist empört. Die Straßen und Gehwege sind mit Streusalz bedeckt. „Das ist unmöglich“, sagt Kaluppe. „Die streuen auf Teufel komm raus.“

Es sei sinnlos, bei trockenem Wetter so viel Salz zu streuen. Es werde kein Gedanke an Umwelt und Natur verschwendet. Der Winterdienst auf den Gehwegen liegt laut der Stadt Baunatal bei den Anwohnern.

Wie sich Streusalz auf Hunde auswirken kann, musste Kalupp im eigenen Umfeld erfahren. Seine dreizehnjährige Mischlingshündin Jule habe in den vergangenen Jahren immer wieder unter dem Streusalz, das nicht nur auf der Straße, sondern auch auf den Gehwegen liegt, leiden müssen. Das äußere sich durch entzündete Pfoten. „Manchmal ist sie sogar gehumpelt“, beschwert sich Kalupp. Er habe versucht dem Streusalz bei seinem täglichen Spaziergang aus dem Weg zu gehen, aber da gäbe es kaum eine Möglichkeit. „Sogar im Park ist gestreut worden.“

Miriam Sinning (37), ebenfalls aus Großenritte, ist verwundert: „Ich stamme aus Niedersachen. Selbst bei starkem Schneefall wird dort nicht so viel Salz gestreut wie hier in Baunatal, schon gar nicht auf dem Bürgersteig.“ Sie verstehe nicht, warum dieBürger der Stadt Baunatal nicht wenigstens die Salzmenge reduzieren oder gar auf andere Möglichkeiten ausweichen. Kalupp und Sinning sind sich einig: Regelmäßiges Schneeschieben auf dem Bürgersteig reiche aus. „Wenn das nicht reicht, kann man ja immer noch auf Split ausweichen“, betont Kalupp. Dass der erhöhte Einsatz von Streusalz nicht optimal ist, bestätigt auch Mark Harthun vom NABU Hessen auf Anfrage der HNA. In Arealen, in denen viel Streusalz eingesetzt wird, sei eine signifikante Veränderung der Bodenchemie zu verzeichnen. Desweiteren sei eine Verdrängung der heimischen Vegetation durch salzaffine Pflanzen beobachtet worden.

Das Baunataler Rathaus rät deshalb dazu, überschüssiges Streumatreial nach Ende des Frostes wieder von den Wegen zu entfernen.

Oft lassen Anwohner die Bürgergsteige von externen Firmen räumen, was wenig Spielraum für salzfreie Idden der Anwohner lassen dürfte. Das Anliegen von Jürgen Kalupp ist es auf die, seiner Meinung nach ungerechtfertigten, Mengen an Streusalz aufmerksam zu machen, auch seiner Hündin zuliebe. (rax)

Das sagt die Stadt Baunatal - Räumpflicht auf öffentlichen Wegen

„Die Stadt muss sich bei der Räumung der Gehwege an die Straßenreinigungssatzung halten“, sagt Susanne Bräutigam, Pressesprecherin der Stadt Baunatal. Diese gibt vor, dass Gehwege zu räumen sind und mit Granulat abzustumpfen sind. Besonders gefährliche Glattstellen, wie Gefällstrecken, Bus- und Straßenbahnhaltestellen, Treppen, Unterführungen, Brücken und Stellen mit lang anhaltender Eisbildung sind davon ausgenommen. Dort darf Salz gestreut werden. Die Stadt hat eine Verkehrssicherungspflicht und muss verhindern, dass für Fußgänger eine Sturzgefahr besteht. „In den vergangenen Tagen kam es aufgrund der niedrigen Temperaturen zu wesentlich mehr Einsätzen“, bestätigt Bräutigam. Für die Stadt sei es dabei schwierig die Waage zu halten, zwischen sicheren Gehwegen und einer möglichst geringen Salzmenge. Zu der bisher verwendeten Salzmenge in diesem Winter konnte keine Angabe gemacht werden. Dass sich die Stadt der Problematik bewusst ist, zeigt sich im innerstädtischen Bereich. Dort wird aktuell in probeweise eine Salzsole verwendet. Dass heißt, eine flüssige Salzlösung wird auf den Gehwegen und Treppen aufgebracht. Damit versucht man, die Salzmenge zu reduzieren. (epa)

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