Mit der Eisenbahn nach Baunatal?

Baunatal will die Reaktivierung der Kassel-Naumburger Trasse

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Hier fahren momentan nur Güterzüge: VW-Arbeiter hätten es vom Bahnhof Altenbauna nur wenige Meter ins Werk (im Hintergrund).

Baunatal. In 20 Minuten von Vellmar nach Altenbauna, in elf Minuten vom Bahnhof Wilhelmshöhe ins VW-Werk.

 Das ist heute noch ziemlich utopisch. Vor allem Berufspendler aus dem Norden und Nordwesten Kassel müssen sich erst einmal durch den Kasseler Verkehr quälen, bevor es weiter nach Baunatal geht.

Die Baunataler Stadtverordneten wollen das ändern: Einstimmig beschloss das Gremium während seiner jüngsten Sitzung, die Forderung nach einer Reaktivierung der Kassel-Naumburger Bahn-Trasse für den Personenverkehr und nach einem schienengebundenen, direkten Linienverkehr zwischen dem Nordkreis und Baunatal in den Verkehrsentwicklungsplan der Stadt aufzunehmen.

Angestoßen wurde der Beschuss durch einen Antrag der SPD-Fraktion. Die CDU hatte schon vor fünf Jahren einen Vorstoß unternommen, der in eine ähnliche Richtung ging. Bisher wird der Schienenstrang der Kassel-Naumburger nur vom historischen Hessencourrier, Güterzügen und Triebwagen, die zur Wartung ins Depot rollen, genutzt. Dabei sei die Strecke technisch in „bestem Zustand“. Die Bahnsteige seien gut erhalten oder sogar ausgebaut – wie im Bahnhof Großenritte, sagte Dr. Klaus-Peter Lorenz, Verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Tausende von VW-Arbeitern und Schülern des Schulzentrums Brückenhof, der Willy-Brandt-Schule und des Lichtenberg-Gymnasiums könnten von der Reaktivierung der Strecke profitieren. Die Eisenbahnverbindung sei schneller als die Straßenbahn nach Baunatal und erspare das Umsteigen.

Die Wiederinbetriebnahme bringe noch mehr Gewinn, wenn sie mit dem Gleisnetz am Bahnhof Wilhelmshöhe in Richtung Norden verknüpft werde, meinte Lorenz weiter. Dann könne mit dem Anschluss an die dortigen Regiotram-Linien eine schnelle Verbindung nach Baunatal geschaffen werden. „Ein Wiederanschluss Baunatals ans Eisenbahnnetz wäre ein großer Mobilitätsfortschritt, eine substanzielle Entlastung der Umwelt und der Bürger und damit ein regionalpolitischer Gewinn“, erklärte der Kommunalpolitiker.

CDU, SPD und Grüne stimmten für das Projekt. Die CDU ist allerdings skeptisch, ob eine Verknüpfung der Naumburger Trasse mit dem übrigen Netz am Bahnhof Wilhelmshöhe technisch umsetzbar ist. Die FDP enthielt sich bei der Abstimmung. Man habe einen „Gewissenskonflikt“, sagte Vizefraktionschef Matthias Berghaus. Denn die bestehenden Verkehrssysteme könnten Einbußen erleiden.

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