Standorte und Jobs bleiben erhalten

Baunataler Autozulieferer Finoba an Chinesen verkauft

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Handarbeit: Beim Richten komplexer Strukturteile für Luxusautos sind Erfahrung, ein sicherer Blick und handwerkliches Geschick gefragt. Unser Archivfoto zeigt Thorsten Eckel (hinten) und Markus Manter bei ihrer Arbeit. 

Baunatal / Kassel. Der Baunataler Autozulieferer Finoba mit Werken in Hertingshausen, Kassel und im bayerischen Rottenburg ist an den chinesischen Staatskonzern Sinomach verkauft worden.

Das teilte der bisherige Gesellschafter und Geschäftsführer des aufstrebenden Unternehmens, Guido Barde, mit. Alle drei Standorte, die 625 Jobs, davon 450 am Firmensitz in Baunatal-Hertingshausen sowie 150 im Werk Mittelfeld in Kassel, blieben erhalten. Das bisherige Management bleibe komplett an Bord.

Der zur Gruppe gehörende Anlagenbauer Antrok sowie die Henschel Maschinenbau GmbH mit insgesamt 250 Mitarbeitern sind von der Übernahme nicht betroffen und bleiben im Eigentum Bardes.

Als Gründe für den Verkauf nannte Barde den starken Wachstums-, Internationalisierungs- und Investitionsdruck, der auf dem Unternehmen laste. Finoba war 2000 mit 13 Mitarbeitern gestartet und wächst seither rasant. Wiederholt hat der Veredler von Guss- und Leichtbauteilen Aufträge ablehnen müssen, weil die Orderbücher auf Jahre voll und auch die in jüngster Vergangenheit vor allem in Hertingshausen neu geschaffenen Kapazitäten längst ausgelastet sind. In den vergangenen zehn Jahren hat Finoba 65 Millionen Euro investiert.

Guido Barde

„Wir können das von unseren Kunden erwartete Wachstum und die damit verbundenen Investitionen nicht mehr allein stemmen“, erklärte der Geschäftsführer. Das gelte auch für die unverzichtbare Internationalisierung. „Die Autohersteller erwarten immer häufiger eine Produktion in der Nähe ihrer Werke, wir müssen ihnen mit unserer Fertigung folgen“, so Barde weiter. Der Verkauf an Sinomach habe rein strategische Gründe. Unter dem Dach eines Konzerns könne sich Finoba sehr viel besser weiterentwickeln. Ziel sei eine Verdreifachung des Jahresumsatzes von derzeit 65 auf 170 Millionen Euro bis 2025, davon 40 Mio. Euro in China, wo ein neues Werk entstehen soll.

Eine erste Investition hat die neue Mutter nach Angaben Bardes bereits genehmigt. Der bayerische Standort, der exklusiv für BMW arbeitet, werde absehbar erweitert. Investiert werde demnächst auch in neue Anlagen im Werk Mittelfeld in Kassel.

Die 1997 gegründete Sinomach-Gruppe ist ein international agierender Projektentwickler sowie Maschinen- und Anlagenbauer und errichtet schlüsselfertig komplette Autowerke und Montagelinien. Sie stehen in China, Indien und weiteren Ländern Asiens, aber auch in Nord- und Südamerika, Russland und Großbritannien. Der Konzern setzt mit 110 000 Mitarbeitern rund 33 Milliarden Euro im Jahr um und rangiert damit auf Platz 288 der umsatzstärksten Unternehmen weltweit sowie auf Rang 14 im chinesischen Außenhandel.

Hintergrund: Finoba veredelt Gussteile in großer Zahl

Finoba veredelt Gießerei-Rohlinge zu einbaufertigen Komponenten. Das heißt: Von den Autobauern oder großen Zulieferern produzierte Komponenten wie Karosserie- und Strukturteile, Motor- und Getriebegehäuse, Zylinderköpfe, Federbeinstützen und -aufnahmen sowie Instrumententräger werden in großen Stückzahlen teils maschinell, teils händisch entgratet, geschliffen, wärmebehandelt, gestanzt, gefräst, mit Bohrungen und Anbauteilen versehen, gebeizt, gereinigt und imprägniert. "Das können andere in Teilen zwar auch, aber wir machen alles unter einem Dach", stellt Barde das Alleinstellungsmerkmal Finobas heraus. "Wir kennen niemanden, der das gesamte Programm aus einer Hand bietet". Die Kunden schätzen das, weil teure Transporte zu verschiedenen Dienstleistern entfallen und so auch die Umwelt geschont wird.

Alle deutschen Autobauer wie Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen, aber auch Rolls Royce, Jaguar, Landrover und Lamborghini setzte auf die Dienst Finobas. Weil sie immer mehr auslagern, wächst der Umsatz Finobas andauernd.

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