Baunataler und Franzosen gedenken der Kriegsopfer

Ehrung der Kriegsopfer: Die Bürgermeister Manfred Schaub (Baunatal, von links) und Marc Andreu-Sabater (Vire) sowie Unterpräfekt Benoit Pichard und die Regionalabgeordnete Annie Bihel legten am Ehrenmal Blumenbouquets nieder. Fotos: Wiesemann

Vire/Baunatal. Eine Baunataler Delegation nahm jetzt an den Feierlichkeiten in Vire zum 70. Jahrestag des Kriegsendes teil.

Ein bewegender Moment, ein Stück Geschichte - das empfanden Deutsche und Franzosen genauso. Vor dem Uhrentor im französischen Vire, vor den normannischen Veteranen des Zweiten Weltkriegs mit ihren Traditionsfahnen erklang das Deutschlandlied. Und zwar am 8. Mai während der feierlichen Zeremonie zum Gedenken an das Kriegsende vor 70 Jahren, Das hatte es noch nie gegeben, doch die Städtepartnerstadt zwischen Vire und Baunatal machte es möglich.

Der Musikzug des GSV Eintracht Baunatal spielte die deutsche Hymne. Das ließ weder die Musiker noch viele Zuhörer kalt, und so wurde manche Träne der Ergriffenheit aus den Augen gewischt. Das Ereignis stellte einen Höhepunkt des viertägigen Besuchs von 100 Baunatalern im französischen Schwesterort dar.

Nach dem Gedenken am historischen Uhrentor mitsamt Kranzniederlegung und der Marseillaise als furiosem Finale folgte ein Festakt im Rathaus von Vire.

Dort sorgten Schüler der Baunataler Theodor-Heuss-Schule (THS) für anrührende Momente. Die jungen Leute zeichneten mit Texten auf Französisch und Deutsch nach, wie es zu den Weltkriegen und zum Nazi-Terror kam, dass aber die Menschen leider wenig aus diesen Katastrophen gelernt haben.

Den Vortrag hatten die jungen Leute der Klasse 9a zusammen mit ihren Lehrerinnen Jutta Lenz und Magalie Kiepe vorbereitet. Die THS war in Vire dabei, weil die Schule gern einen Gegenpart in Baunatals Schwesterstadt hätte. „Wir hoffen auf eine Schulpartnerschaft“, so Lenz. Der Musikzug der Großenritter Eintracht pflegt indes schon einige Jahre eine Freundschaft mit der Gruppe Bagad, die keltische Musiktradition bewahrt. Diese deutsch-französische Allianz befeuerten die Partner erneut mit gemeinsamem Musizieren, aber auch mit viel Spaß zwischendurch.

Doch obwohl die Städtehe schon seit 32 Jahren besteht, war der Anlass der turnusgemäßen Baunataler Reise nach Frankreich diesmal ein besonderer. „Ein starkes Signal“ und „ein Symbol der Freundschaft“ nannte es bei der Begrüßung Vires Bürgermeister Marc Andreu-Sabater, dass man die Deutschen - einst Feinde, Besatzer und Peiniger - zum 70. Jahrestag des Kriegsende eingeladen hatte. „Kein Besuch wie jeder andere“, so ergänzte sein Baunataler Amtskollege Manfred Schaub. Beide legten tags darauf gemeinsam Blumenbouquets am Ehrenmal für die Kriegsopfer nieder.

Die Stadtoberhäupter betonten zudem ebenso wie die Vorsitzenden der Partnerschaftskomitees, Alain Vallée und Wilfried Albrecht, wie wichtig es für Europas Zukunft sei, dass die Jugend die Städteehe am Leben erhalte. Beide Bürgermeister kündigten an, dass man über Begegnungen von Schulen und Jugendzentren hinaus wieder sportlichen Austausch organisieren wolle, den es früher bereits gab.

Von Rolf Wiesemann

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