Sie hörten den jordanischen König über Funk

Baunataler Funkamateure veranstalten am heutigen Samstag eine Messe in Kassel

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Wurden Freunde über Funk: Hans Ernst (links) aus Vellmar und Dietmar Austermühl aus Lohfelden, Funkamateure und Mitglieder beim Deutschen Amateur-Radio-Club. Das Foto zeigt die beiden an der Ausbildungsstation in der Baunataler DARC-Zentrale.

Baunatal. Funkamateure begeistern sich für Technik und Kommunikation. Am heutigen Samstag veranstaltet der Deutsche Amateur-Radio-Club aus Baunatal eine Messe in Kassel.

Mit einem „CQ“ hat ihre Freundschaft vor mehr als zehn Jahren angefangen: Per Zufall kam zwischen „DF5ZU“ und „DL1ZAX“ ein Funkkontakt zustande. Im Gesprächsverlauf stellte sich heraus, dass Hans Ernst und Dietmar Austermühl, die hinter diesen Rufzeichen stecken, beide aus dem Kreis Kassel stammen. Heute funken die beiden Funkamateure täglich miteinander. Denn sie sind Mitglieder beim Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC), dem größten Verband von Funkamateuren in Deutschland, der seine Zentrale in Baunatal hat.

Amateurfunk unterscheidet sich vom CB-Funk, der von jedermann genutzt werden kann, durch die Qualifikation der Benutzer: Funkamateur kann nur werden, wer eine längere Ausbildung absolviert und sein Wissen in einer Prüfung nachweist.

Sieben Millionen Funkamateure gibt es laut Stephanie Heine, Sprecherin des DARC, weltweit. Darunter sind auch viele Prominente: internationale Berühmtheiten wie Roger Moore und Priscilla Presley, deutsche Politiker wie Friedrich Merz. Sogar der ehemalige spanische König Juan Carlos I war ein leidenschaftlicher Amateurfunker.

Zwar nicht die spanische Majestät, aber den jordanischen König hat Austermühl einst über Funk gehört, als derjenige, bei dem er seine Prüfung zum Funkamateur abgelegt hat, per Zufall mit dem jordanischen König gefunkt hat. „Die haben sich über das jordanische Schulwesen ausgetauscht“, berichtet Austermühl.

Als Bestätigung, dass ein Kontakt stattgefunden hat, tauschen Funkamateure individuell gestaltete QSL-Karten aus. Darauf werden Datum, Uhrzeit, Frequenz sowie die Verständlichkeit des Gespräches vermerkt. Viele Funkamateure würden den Schwerpunkt ihrer Bemühungen auf die Kontaktaufnahme mit möglichst weit entfernten Stationen legen. „Das sind begehrte Sammlerstücke“, erläutert Ernst.

Kistenweise stapeln sich die QSL-Karten zuhause bei Ernst und Austermühl. Gefunkt haben beide schon mit Menschen aus 150 Ländern. Dabei interessieren sie sich für verschiedene Seiten des Amateurfunks: Während der technikbegeisterte Austermühl gerne Funkgeräte selbst baut und repariert, funkt Ernst, um neue Menschen aus der ganzen Welt kennen zu lernen.

Das sei auch die Antwort auf die Frage, warum Menschen in Zeiten von Handy und Internet immer noch funken: „Es gibt ja schließlich keine Handynummer, mit der man die ganze Welt anrufen kann“, sagt Ernst. Außer dem Vorteil, dass Kommunikation über Funk auch noch zustande kommt, wenn das Handy-netz schon längst zusammengebrochen ist, sei Amateurfunk frei von Diskriminierungen: Funkamateure sprechen miteinander, ohne Religion, Rasse und Geschlecht zu beachten. „Amateurfunk ist ein grenzenloses Hobby in jeder Hinsicht“, sagt Austermühl.  

Hintergrund: Die Welt der Funkamateure erleben 

Wer nun Lust bekommen hat, Amateurfunk einmal mit eigenen Augen und Ohren zu erleben, hat heute bei einer Erlebnismesse in Kassel die Gelegenheit dazu. An 40 Ständen präsentiert der DARC Wissenswertes zum Thema Funk und Selbstbau. 

Neben Vorträgen zum Thema haben Erwachsene sowie Kinder im Aktionsbereich der Halle die Möglichkeit, sich mit dem Lötkolben an verschiedenen Bausätzen auszuprobieren. Zusätzlich lockt ein Elektronikflohmarkt mit gebrauchten Antennen, Notebooks und elektronischem Zubehör. Die Bundesnetzagentur ist mit einer Ausstellung zum Thema Marktüberwachung vertreten. 

Der „Funk.Tag“ vom DARC findet statt von 9 bis 16 Uhr in den Hallen eins und zwei auf dem Messegelände Kassel (Damaschkestraße 55). Der Eintritt kostet 8 und ermäßigt 6 Euro.

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