Thema Arbeitssicherheit

Baunataler VW-Werk: 2016 gab es 106 Arbeitsunfälle

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Unfälle vermeiden: Bisher wurden die Kisten mit dem so genannten Signodeband umschlungen, wie Jan Heidl (rechts) andeutet. Beim Aufschneiden des unter Spannung stehenden Bandes gab es immer wieder Verletzungen. Jetzt kommt ein Deckel mit einem Gurt auf die Kisten, wie Heinrich Boggenstall (links) und Mussie Berhane zeigen.

Baunatal. Insgesamt ist die Zahl der Arbeitsunfälle im VW-Werk seit 2009 deutlich zurückgegangen.

Waren es vor acht Jahren noch 173 Unfälle an dem nordhessischen Standort, verzeichnete man 2016 lediglich 106. 

Wenn die Mitarbeiter des Getriebebaus jetzt ihre Kisten mit der fertigen Mechatronik voll packen, dann kommt am Ende einfach ein Deckel drauf. Das bisher genutzte Signodeband, das die Kisten umschnürte, wird nicht mehr gebraucht. Die Deckel, die gleichzeitig auch ein Schutz gegen Verschmutzung der hochtechnischen Autoteile für das Hybridgetriebe DQ400e sind, sind ein wesentlicher Beitrag zur Arbeitssicherheit im Getriebebau. Immer wieder habe das unter Spannung stehende Signodeband beim Aufschneiden zu Verletzungen geführt, sagt Jörg Ruppert Leiter des Bereichs Arbeitssicherheit im VW-Werk Kassel in Baunatal.

Insgesamt ist die Zahl der Arbeitsunfälle im VW-Werk seit 2009 deutlich zurückgegangen. Waren es vor acht Jahren noch 173 Unfälle an dem nordhessischen Standort, verzeichnete man 2016 lediglich 106. Die Anzahl bleibe seit einigen Jahren auf gleichbleibend niedrigem Niveau, sagt Ruppert. „Obwohl die Zahl der Mitarbeiter doch deutlich mehr geworden ist.“ In den Jahren 2012 bis 2015 lag das Werk sogar bei rund 85 Arbeitsunfällen im Jahr.

Gefahren erkennen

Ruppert geht es in erster Linie um die Gefahrenbeurteilung. Das heißt, dass die Mitarbeiter schon vor einem möglichen Unfall Gefahren in der Fabrik erkennen sollen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt im Bereich des Teiletransports. „Über 1000 Mal hätte es bei Transportarbeiten zu einem Unfall mit Personenschaden kommen können, und nur mit Glück ist es bei einem Sachschaden geblieben“, sagt der Sicherheitsingenieur.

Als gutes Beispiel für Unfallvermeidung nennt Ruppert den so genannten Blue-Spot (Blauer Punkt), der von Gabelstaplern ausgesendet wird. Dem Stapler eilt auf dem Fußboden immer ein blauer Lichtpunkt voraus und warnt Mitarbeiter vor dem heranrollenden schweren Fahrzeug. „Der Blue Spot kommt bei uns jetzt nahezu flächendeckend zum Einsatz.“

Werkleiter Thorsten Jablonski zeigt sich mit dem Stand des Arbeitsschutzes zufrieden. Das Werk Kassel sei bei diesem Thema kein einfaches Werk, weil es zum Beispiel eine Gießerei und eine Warmunformung gebe, sagt er. Dort müssen die Beschäftigten ständig mit heißen Maschinen und Metallen hantieren. Die Herausforderungen im Bereich Arbeitssicherheit werden weiter steigen. Jablonski nannte den Bereich von selbstfahrenden Autos. „Wir werden in der Fabrik selbstfahrende Fahrzeuge haben. Es ist sinnvoll, die erstmal in der Fabrik einzusetzen.“

Mario Reuting vom VW-Betriebsrat rief dazu auf, weiterhin mutige Entscheidungen für mehr Arbeitssicherheit zu treffen. Außerdem müsse man dafür das nötige Geld in die Hand nehmen. 

Hintergrund

Getriebebau erfolgreich

Mit dem Abeitssicherheitspokal von VW wurden ausgezeichnet: Die Bereiche im Getriebebau DL501/DL800 sowie DQ500/DQ200 Mechatronik mit jeweils keinem Arbeitsunfall 2016. Die beste Entwicklung hatte der Bereich MQ350/MQ500. Die Zahl der Unfälle sank von 2013 auf 2016 von acht auf 2.

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