Mieter holen Strom vom Dach

Baunsberg: Projekt zur Beteiligung der Bewohner an Solarenergie entsteht

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Michael Fels

Baunatal. Vom dritten Stock der Birkenallee 104 am Baunsberg hat man einen unverbauten Blick Richtung Süden auf grüne Bäume und das lang gezogene Gebäude des VW-Werks. Wer hier demnächst auf seiner Dachterrasse sitzt, hat fast den gesamten Tag Sonne satt.

Von dieser Sonne soll nicht nur das Gemüt der Bewohner in der Birkenallee profitieren.

Architekt und Investor Michael Fels, der hier bis zum Sommer 2018 ein Mietshaus mit 24 Wohnungen errichten lässt, will die Sonne nutzen, um das Gebäude auf den neuesten Energiestand zu bringen. Denn der Baunsberg bietet durch seine Südlage ideale Voraussetzungen zur Nutzung von Solarenergie.

„Dieses Haus wird ein Kfw 40-Effizienzhaus“, sagt Michael Fels. So sind die Fenster des Gebäudes dreifach verglast und die Gebäudehülle ist entsprechend isoliert. Zudem bezieht das Haus Fernwärme. Diese kommt aus dem VW-Kraftwerk.

Die dort 2012 in Betrieb gegangene Gas- und Dampfturbinenanlage wandelt mehr als 90 Prozent der Primärenergie, überwiegend Gas, in Strom und Wärme um.

Dadurch wird die Umwelt geschont, weil die anfallende Abwärme nicht durch einen Kühlturm an die Umgebung abgegeben wird, sondern direkt als Heizwärme genutzt werden kann.

Auf die gute Lage des Baunsbergs und den Gebäudekomplex, den Michael Fels entwickelt, wurde auch die Firma Prosumergy aus Kassel aufmerksam.

Sie kamen auf den Architekten zu und boten ihm an, das Haus mit Solarpanelen auszustatten. „Für uns kam das Angebot genau zur richtigen Zeit und es passte zu unserem Konzept“, sagt Fels.

Prosumergy liefert Mietern in Mehrparteienhäusern Solarstrom vom eigenen Dach. Die Firma aus Kassel übernimmt dabei alle technischen, rechtlichen und administrativen Aufgaben.

Der lokal erzeugte Strom wird unmittelbar von den Mietparteien im Gebäude verbraucht und ersetzt damit einen möglichst großen Anteil des Netzstroms. Dieser Vor-Ort-Verbrauch ist, so verspricht es das Unternehmen, wirtschaftlich attraktiver als die Einspeisung in das Stromnetz.

Michael Fels hat das Modell überzeugt. Auch, weil bei Prosumergy alles in einer Hand liegt. Der Mieter ist dabei frei zu entscheiden, ob er das Mieterstrommodell nutzen möchte oder nicht. Aber Michael Fels sieht nur Vorteile für die Mieter. „Das Gebäude wird durch die Solaranlage aufgewertet und der Mieter hat geringere Nebenkosten.“ Bei einem Regelstromverbrauch von 2500 Kilowattstunden im Jahr sparen die Mieter laut Prosumergy 185 Euro Nebenkosten im Jahr. Wenn alle Mietparteien mitmachen, liegt die Eigenverbrauchsquote bei 70 Prozent. Der Rest wird ins Stromnetz eingespeist. Die Stromversorgung ist immer gewährleistet.

Auch die Stadt Baunatal sieht in der Stromproduktion vor Ort nur Vorteile. „Das ist eine Win-Win-Situation“, sagt Jürgen Grimm, Betriebsleiter der Stadtwerke Baunatal. Die Stadt ist derzeit dabei, ein energetisches Quartierskonzept für den Baunsberg vorzulegen. Dafür wird eine Bestands- und Potenzialanalyse gemacht, um zu sehen, welche Maßnahmen im Quartier möglich und sinnvoll sind. „Es kommt immer auf das einzelne Objekt an“, sagt Jürgen Grimm.

Wenn ein Investor Bauland kaufe, werde darüber verhandelt, welche Forderungen die Stadt an den Investor in Bezug auf energetisches Bauen stelle. Hauptziel sei, die CO2-Emissionen in der Stadt Baunatal zu reduzieren. „Im Fall des Projekts an der Birkenallee 104 waren die Verhandlungen relativ leicht, weil sich unsere Interessen gedeckt haben“, sagt Jürgen Grimm.

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