Verwirrspiel um Beschilderung

Baustelle in Guntershausen: Autofahrer "zu Verkehrsverstoß gezwungen"

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Sie wundern sich über die Verkehrsregelung: Erwin Kilian (von links), Carmen Hasler, Franziska Koch und Helmuth Krug.

Baunatal. Es vergehen nur wenige Minuten, dann rauscht wieder ein Autofahrer in der Ortsmitte Guntershausens am Schild „Verbot für Fahrzeuge aller Art" vorbei über die Baustelle.

Die Beschilderung und die Anweisungen aus dem Rathaus seien verwirrend, sagen einige Anwohner.

„Sie werden zu einem Verkehrsverstoß gezwungen“, meint etwa Erwin Kilian zu der Situation an der Brücke, die seit einigen Wochen im Zuge des Hochwasserschutzes umgebaut wird.

Durchgerauscht: Dieser Autofahrer rollt trotz Verbotsschildes über die Baustelle in der Guntershäuser Ortsmitte. Es vergehen oft nur Minuten, bis der nächste Verkehrsteilnehmer genauso handelt.

Und so sieht es aus: Vor der Baustelle steht auf beiden Seiten ein Schild „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ mit dem Zusatz „Lieferverkehr frei“. Die Stadt Baunatal macht auf Hinweistafeln an den Zufahrtsstraßen Richtung Guntershausen auf die Vollsperrung aufmerksam, weist aber zusätzlich darauf hin, dass die Sperrung bis zum 30. Juni „täglich von 6.30 bis 19 Uhr“ gilt. Zu den anderen Zeiten - so entsteht zumindest der Eindruck - herrsche freie Fahrt über die Brücke.

Das sei für die Autofahrer irreführend, sagen Erwin Kilian und Helmuth Krug (beide 66). Denn auch nach 19 Uhr blieben ja die Schilder „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ vor der Baustelle stehen. Wer also, so wie es das Baunataler Rathaus vorgibt, vor 6.30 Uhr und nach 19 Uhr über die Brücke fahre, verstoße genauso gegen die Straßenverkehrsordnung.

Müssten ebenfalls stoppen: Das Durchfahrtsverbot gilt auch für Radfahrer. Geschoben werden darf das Rad.

Franziska Koch (40) und Carmen Hasler (46) beispielsweise sind mit ihren Familien von der Sperrung der Ortsdurchfahrt massiv betroffen. Koch hat drei Kinder, Hasler vier. „Wir müssen die Kinder täglich fahren - in den Kindergarten, zu Bundesjugendspielen, zum Schwimmen und so weiter“, nennt Koch Beispiele. Damit sie mit dem Auto flexibel bleiben und nicht die Baustelle mit dem Verbotsschild passieren müssen, stellen die Mütter inzwischen morgens vor 6.30 Uhr ihre Autos auf die andere Seite der Baustelle. Sie wolle einfach nicht gegen die Beschilderung verstoßen, betont Franziska Koch. „Es ist gesperrt. Die Zufahrt ist offiziell verboten.“

So ganz verstehen können die Mütter die Sache nicht. Ständig passierten Autofahrer mit ihren Fahrzeugen tagsüber die Verbotsschilder, ohne dass sich jemand darum kümmere. „Das wird wohl von den Behörden geduldet“, vermutet Kilian.

Helmuth Krug hat eine Lösung für das Problem. „Warum richtet man nicht einfach eine Baustellenampel ein?“, fragt der Guntershäuser. Dann könnten Autofahrer ganz legal wechselweise über die Brücke rollen.

Firmenchef Ralf Sinning, der unweit der Brücke ein Sägewerk betreibt, hat sich auf die Bauphase eingestellt. Er habe alle seine Lieferanten angeschrieben und auf die Umleitungsstrecken hingewiesen, berichtet Sinning. Allerdings werde es jetzt für manchen großen Lkw eng im Tunnel am Bahnhof. „Und die Fahrten zum OTC von Volkswagen dauern wesentlich länger.“

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