Trio hatte Katalysatorenstaub im Wert von 735.000 Euro entwendet

Mildes Urteil: Bewährungsstrafe für Ex-VW-Mitarbeiter

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Volkswagenwerk Baunatal betroffen: Drei ehemalige Mitarbeiter des Werkes entwendeten zwischen August und November 2008 etwa 10 500 Kilogramm Katalysatorenstaub im Wert von 735 000 Euro.

Baunatal. Sieben Jahre nach der Tat gab es für drei ehemalige VW-Mitarbeiter aus Kassel ein mildes Urteil vor dem Amtsgericht.

Wegen Beihilfe zu schwerem gewerbsmäßigen Bandendiebstahl wurden die 35, 38 und 51 Jahre alten Männer zu Bewährungsstrafen von jeweils 18 Monaten verurteilt.

Vorangegangen war dem Urteil eine Verständigung zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht, bei der die drei Männer Geständnisse angekündigt hatten. Ihnen war vorgeworfen worden, zwischen August und November 2008 in 75 Fällen rund 10.500 Kilogramm Katalysatorenstaub im Wert von 735.000 Euro entwendet zu haben.

Weil nach so langer Zeit einzelne Taten nicht mehr nachzuweisen sind, schmolz die Anklage auf elf Fälle zusammen. Durchschnittlich 20 Kilogramm pro Woche soll jeder der Männer für jeweils etwa 400 Euro an die beiden Haupttäter weitergereicht haben. Diese beiden 31 und 39 Jahre alten Männer dürften das meiste Geld an dem Diebstahl verdient haben, ihr Verfahren ist noch beim Landgericht anhängig.

Ein VW-Mitarbeiter hatte den Kilopreis für den unter anderem Platin und Rhodium enthaltenden Katalysatorenstaub auf damals 72 Euro beziffert. Weil ein Teil der Beute sichergestellt wurde, ist VW durch den Diebstahl der früheren Mitarbeiter letztlich ein Schaden von knapp 80.000 Euro entstanden.

Nicht reich geworden 

Davon landete nur ein verschwindend geringer Teil in den Taschen der Angeklagten. „Reich geworden sind Sie dadurch nicht“, sagte Richter Kleinherne. Zudem sei diese Praxis auf dem VW-Recycling-Hof auf dem Kasseler Henschel-Gelände wohl allgemein üblich gewesen: „Alle haben das gemacht“, sagte der Richter. Die Hemmschwelle, da mitzutun, sei für die Angeklagten entsprechend niedrig gewesen.

Gelohnt hat sich die ganze Sache für die drei einfachen Männer ohnehin nicht. Die Jobs bei VW sind futsch, einer bekommt Hartz IV, der älteste ist Frührentner und der dritte bringt seine Familie mit 1000 Euro monatlich durch. Weil sich keiner von ihnen seit den Diebstählen vor sieben Jahren etwas hat zuschulden kommen lassen, gab Kleinherne eine günstige Sozialprognose ab und verabschiedete das Trio mit guten Wünschen aus dem Gerichtssaal.

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