Mehr Sicherheit im Netz

EAM entwickelt neues Schutzprogramm gegen Cyber-Angriffe 

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Hat das Netz gut im Blick: Schaltmeister Tobias Keim sieht auf dem großen Bildschirm sofort, wo eine Störung aufgetreten ist. Er behebt sie entweder per Fernsteuerung oder gibt die Information an Techniker vor Ort weiter.

Baunatal/Kassel. Anfang vorigen Jahres hat ein Hacker-Angriff einen Teil des Stromnetzes in der Ukraine lahmgelegt. So etwas soll im Versorgungsgebiet der kommunalen EAM nicht passieren.

Für 2,6 Millionen Euro hat der Netzbetreiber seine Leitwarte modernisiert.

Die Anlage in Baunatal mit einem deckungsgleichen Gegenstück in der EAM-Zentrale in Kassel steuert und kontrolliert den Fluss des elektrischen Stroms in einem 46.000 Kilometer langen Netz, das sich über die nordhessische Region hinaus weit nach Südniedersachsen, nach Südhessen, Thüringen und Reinland-Pfalz erstreckt. Auch die Gasversorgung wird von hier gesteuert.

„Das IT-Sicherheitsmanagement ist eine große Herausforderung“, sagt Gerhard Vaupel, Leiter der EAM-Netzsteuerung. Daher habe man nicht nur die Hochleistungsrechner ausgetauscht sondern auch neue Schutzprogramm aufgespielt. „Wir fühlen uns gegen Angriffe wie durch die Schadsoftware Wonna Cry gewappnet“, erklärt er.

Doch die Sicherheit ist nicht das einzige Problem, dass die 28 EAM-Mitarbeiter im Griff behalten müssen. Sonne und Wind stellen an die Stabilisierung des Stromnetzes hohe Anforderungen. „Mit jeder neuen Windparkanlage ändern sich das Netz“, sagt Vaupel. Früher sei die Steuerung einfacher gewesen, weil die Lastverteilung – die Phasen hoher und niedriger Nachfrage nach elektrischem Strom – relativ gut vorhersehbar gewesen sei.

Heute ändern sich die Spitzenzeiten des Stromverbrauchs, aber auch die Verfügbarkeit des Stromangebots im Netz ständig. Durch die Modernisierung könne man nun besser die Wetterprognosen in das Steuerungssystem einarbeiten. So können die Mitarbeiter der Leitstelle beispielsweise gezielter eingreifen, wenn bei starkem Wind oder prallem Sonnenschein zu viel elektrische Leistung ins Netz gelangt. Von der Leitstelle aus können sie sogar per Fernsteuerung direkt in die Regelung von Photovoltaikanlagen und Windkrafträdern eingreifen.

Die neue Leitwarte wurde außerdem für die Mitarbeiter, die sogenannten Schaltmeister, übersichtlicher gestaltet und mit großen Bildschirmen ausgestattet. So haben die Mitarbeiter die Netze im Versorgungsgebiet der EAM, die Netzknotenpunkte, Umspannwerke und Transformatoren immer im Blick. 

Auf diese Weise können sie den Technikern vor Ort nun auch exakter beschreiben, wo die Ursache für einen Stromausfall liegt. Bisher liege die EAM bei den Störfällen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, sagt Timm Eberwein, Leiter der Netzleitstelle. Das liege auch daran, dass der ganz überwiegende Teil des Stromnetzes in der Erde vergraben sei.

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