Heimatdorf unter der Lupe

Er schaut 1000 Jahre zurück: Gerhard Krug schreibt Buch über Hertingshausen

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Historische Schätze: Gerhard Krug erläutert zwei Kartenausschnitte, die das Dorf Hertingshausen im Jahr 1874 zeigen. Der Autor hat mehrere solcher Pläne entdeckt, sie werden in der Chronik zu finden sein.

Baunatal. Unzählige Stunden hat Gerhard Krug mit seiner Chronik von Hertingshausen schon verbracht, aber es ist noch eine Menge zu tun. Er hat uns Einblicke in sein Hobby gegeben. 

Im Staatsarchiv Marburg war er oft und nicht zum letzten Mal. Mit älteren Einwohnern führte er viele Gespräche und plant noch weitere. Er forscht digital im Internet und analog auf vergilbten Buchseiten. „Es erfordert sehr viel Arbeit und Recherche“, sagt Gerhard Krug (65) über sein Projekt. Der versierte Heimatforscher verfasst eine Chronik seines Heimatdorfes Hertingshausen und blättert die 1000-jährige Geschichte des heutigen Baunataler Stadtteils auf.

Viele Kapitel sind fertig, aber es fehlt noch eine Menge. Krug geht davon aus, dass 350 Seiten im Din-A4-Format mitsamt vieler historischer Fotos zusammenkommen – „kein Bilderbuch, aber auch nicht total wissenschaftlich ausgerichtet.“ Eben ein auch für Laien gut konsumierbares Werk. Vor Spätsommer 2018 werde er wohl nicht fertig sein, sagt Krug. Denn: „Manchmal komme ich ganz gut voran, dann wieder hänge ich.“ Aber, so schiebt er sofort nach: „Ich mach’s gern.“

Krug will ein Nachschlagewerk für die Nachwelt schaffen

Vor 80 Jahren schrieb der Lehrersohn Helmut Bette über die Flurnamen des Dorfes, die Zeit von 1937 bis 1987 beleuchtete Gerhard Krugs Vater Karl, der lange Zeit Bürgermeister war. Auch in der Baunataler Chronik aus den 90er-Jahren findet sich manches. Aber eine komplette Darstellung der Gemeinde und ihrer Bewohner existiert nicht.

Die Öffnung vieler Archive in jüngerer Vergangenheit ermögliche nun jedoch die Gesamtschau, weil viele Urkunden und Dokumente ans Licht gekommen seien, sagt Krug. So gebe es allein im Staatsarchiv Marburg mehr als 1200 geordnete Nachweise zu Hertingshausen bei Kassel.

Gerhard Krug, der nicht zum ersten Mal über sein Heimatdorf schreibt, will ein Nachschlagewerk für die Nachwelt schaffen. Er möchte alle Aufzeichnungen, Bilder und Karten zu Hertingshausen zusammenfassen. Beim Stichwort Karten gerät der pensionierte Lehrer ins Schwärmen. „Einige wunderschöne alte Exemplare“ habe er gefunden, etwa aus preußischer Zeit: „Da sieht man Bauernhöfe, wie sie heute noch da sind.“

Die meisten Anwesen allerdings werden schon lange nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Es ist ein wesentliches Anliegen Krugs, diesen einschneidenden Wandel darzustellen, der – nach über 800 Jahren bäuerlichen Lebens – im 19. Jahrhundert einsetzte und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg an Fahrt gewann. Das Dorf wuchs, wurde zum Ort des Wohnens, Technik verdrängte Handarbeit, die Ansiedlung des Ratio-Einkaufszentrums bedeutete weitere Veränderungen.

Ehrgeiziges Ziel: Alle Handwerker aufzählen

Von der Dreifelderwirtschaft zum Glyphosat, so ist ein Kapitel des Buchs überschrieben. Die Einwohner im Zeitstrom der Geschichte, lautet ein anderer Titel. Gerade das Verschwundene will Krug dokumentieren. Er hat sich zum Beispiel zum Ziel gesetzt, alle Handwerker mit Namen aufzuzählen, die es jemals im Dorf gab. Oder das Vereinsleben mit seinen prägenden Personen nachzuzeichnen. Bürgermeister, Bedienstete und Pfarrer wird man finden. Und noch viele andere Menschen, die im Dorf tätig waren. Dazu Fakten über die Friedhöfe, die Kirche, die Infrastruktur, die heimischen Firmen – und die Schule, die schon lange nicht mehr besteht.

Am Ende wirft der Autor die Frage auf, wie es mit Hertingshausen, das 1971 zu Baunatal kam, weitergehen kann. Und die vielen schönen Geschichten, die Krug während seiner Gespräche mit Dorfbewohnern hörte, gehen nicht verloren. Sie finden sich im Anhang der Chronik. 

Zur Person: Gerhard Krug

Gerhard Krug (65), verheiratet, zwei Kinder, drei Enkelinnen, war zuletzt stellvertretender Direktor der Gesamtschule Guxhagen. Der pensionierte Lehrer für Englisch und Sport befasste sich intensiv mit Astronomie, er begründete die Sternwarte der Gesamtschule Gudensberg. Krug ist ferner Imker und außerdem leidenschaftlicher Heimatforscher. Als Handballspieler und -trainer war er mit dem KSV und der HSG Baunatal erfolgreich. 

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