Unterschriften-Aktion der IG Metall im Baunataler VW-Werk

„Es reicht! Volkswagen-Beschäftigte nicht in Wahlkampf ziehen!“

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Immer in der Diskussion mit den Mitarbeitern und dem Werkmanagement: Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ulrike Jakob und Betriebsratschef Carsten Bätzold (Mitte) informieren seit Monaten über die Entwicklung bei VW. Die IG Metall, der die beiden Betriebsräte ebenfalls angehören, will sich jetzt mit einer Unterschriften-Aktion gegen ein Hineinziehen des Konzerns in den Wahlkampf wehren. Das Foto entstand bei der jüngsten Betriebsversammlung im Baunataler VW-Werk, rechts VW-Sprecher Heiko Hillwig.  

Baunatal. Diesel-Skandal, unzulässige Absprachen unter deutschen Autobauern, Kritik an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der eine Regierungserklärung an VW zum Gegenlesen gegeben hat – Volkswagen kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus.

Die Gewerkschaft IG Metall hat jetzt genug von den Themen, die in den Wahlkämpfen in Niedersachsen und auf Bundesebene zunehmend eine Rolle spielen. Mit einer Unterschriftenaktion – auch im VW-Werk Kassel in Baunatal – appelliert die IGM an alle Politiker: „Es reicht! Volkswagen-Beschäftigte nicht in Wahlkampf ziehen!“

Rund 89 Prozent der Mitarbeiter im Baunataler Werk gehören der Gewerkschaft an. Laut stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Ulrike Jakob werben die Vertrauensleute der IG im Baunataler Werk bereits für die Aktion. Am heutigen Dienstag und am Mittwoch soll es zusätzlich vor dem Werkstor einen Stand mit den Unterschriftenlisten geben.

Es gehe darum, dass sich die Beschäftigten nicht in eine Wahlschlacht hineinziehen lassen wollen, erläutert Jakob. „Das verschlimmert die Situation.“ Man müsse schließlich darum Sorge haben, dass nicht die gesamte Autobranche verliert. Immerhin gehe es um rund eine Million Arbeitsplätze in Deutschland, betont Jakob, die seit Mai auch auf der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns sitzt.

In dem Papier zur Unterschriften-Aktion heißt es in Richtung der Politiker unter anderem:

• „Setzen Sie sich dafür ein, dass Niedersachsen weiter wie bisher voll hinter den Volkswagen-Beschäftigten steht.“ 

• „Machen Sie es den Volkswagen-Beschäftigten nicht noch zusätzlich schwer, indem Sie sich im Politikgezänk über Volkswagen profilieren wollen.“

Zudem positioniert sich die Gewerkschaft in dem Papier deutlich zum Diesel-Skandal. Während die Volkswagen-Verantwortlichen selbst meist nur von der Diesel-Krise sprechen, heißt es: „Zusätzlich lastet auf den Beschäftigten der von ihnen nicht verantwortete Abgas-Skandal.“ Und: „Volkswagen befindet sich seit fast zwei Jahren im Ausnahmezustand. Mit Blick auf die Schlagzeilen wirkt es für uns Beschäftigte oft so, als liege praktisch kein Stein mehr auf dem anderen.“ Jetzt drohe noch die Gefahr, dass VW mit seinen 120 000 Beschäftigten in Deutschland zum Wahlkampfthema werde.

Ulrike Jakob ruft deshalb dazu auf, die Diskussionen, um VW zu versachlichen. Das sei in erster Linie Aufgabe der Politiker.

„Zunächst ist die Unterschriften-Aktion ein reines Thema der IG Metall“, sagt VW-Sprecher Heiko Hillwig für das Werkmanagement auf Anfrage. Grundsätzlich sei es aber zu begrüßen, dass sich die Gewerkschaft dem Thema nähere, und zwar im Sinne der Beschäftigten.

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