Azubi beim Landkreis Kassel

Dem Extremismus abgeschworen: 22-Jähriger Neonazi ließ sich bekehren

Nahm auch an einer Kagida-Demonstration teil: Ein 22-Jähriger, der eine Ausbildung beim Landkreis Kassel absolviert, kam wegen rechtsradikaler Neigungen in die Schlagzeilen. Inzwischen soll er dem Rechtsextremismus abgeschworen haben. Unser Foto zeigt eine Kagida-Demonstration rund um den Scheidemannplatz in Kassel am 9. Februar 2015. Fotos: Koch/Malmus

Kreis Kassel / Baunatal. Offenbar dem Rechtsextremismus abgeschworen hat der inzwischen 22-Jährige, der noch bis zum Ende des Jahres eine Ausbildung als Mechatroniker bei der Arbeitsförderungsgesellschaft (Agil) des Landkreises Kassel absolviert.

„Der junge Mann gibt uns aktuell keinen Anlass mehr, über eine Auflösung seines Arbeitsverhältnisses mit der Agil nachzudenken“, sagt Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn.

Seit Bekanntwerden seiner rechtsextremen Neigungen im Dezember 2014 habe sich bei ihm ein Sinneswandel vollzogen. „Geholfen haben ihm dabei spezielle Kurse, die von der Polizei in Kooperation mit dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus mit Sitz in Marburg angeboten werden“, sagt Kühlborn.

Die Teilnahme an diesen Kursen sei ihm von der Agil und dem Landkreis angetragen worden, „und er hat das Angebot freiwillig angenommen.“ Aktuell verhalte sich der 22-Jährige im Arbeitsalltag ruhig und völlig normal. Auch sei er in sozialen Netzwerken im Internet nicht mehr auffällig geworden.

Noch vor einem Jahr hatte sich der junge Mann auf Facebook als Anhänger der rechtsextremen NPD geoutet, er hetzte immer wieder gegen Flüchtlinge und hatte an einer Hooligan-Demonstration gegen Salafisten in Hannover teilgenommen. Die rechtsextremen Umtriebe des jungen Mannes flogen auf, als er seine Teilnahme an einer Demonstration von Kagida („Kasseler gegen die Islamisierung des Abendlandes“) im Dezember 2014 öffentlich machte.

„Heute wissen wir, dass der Auszubildende damals noch nicht richtig organisiert war“, sagt Kühlborn. „Vielmehr befand er sich noch auf dem Weg in die rechtsextreme Szene.“ Dieser Umstand habe dazu beigetragen, noch relativ leicht einen Sinneswandel bei dem jungen Mann herbeizuführen.

„Tatsächlich stehen die Chancen, sich von rechtsextremem Gedankengut zu distanzieren, noch gut, wenn sich junge Leute noch nicht fest einer Gruppe angeschlossen haben oder wenn noch keine Straftaten verübt worden sind“, sagt Torsten Niebling, Leiter des Projektes „Rote Linie“ des Beratungsnetzwerkes Hessen gegen Rechtsextremismus. Ein gutes Zeichen sei auch, wenn Betroffene noch freiwillig Kursangebote im Rahmen einer sogenannten Distanzierungsbegleitung annehmen würden.

„Die Schwierigkeit besteht immer darin, einmal festgesetzte Denkweisen durch neue zu ersetzen - was bisweilen viel Zeit in Anspruch nimmt“, sagt Niebling. Eine Distanzierungsbegleitung biete da wertvolle Hilfen.

Dennoch: Die meiste Arbeit komme für die Betroffenen erst danach, wenn es darum ginge, neu gewonnene Einsichten für die Bildung eines neuen Weltbildes anzuwenden. Torsten Niebling: „Man muss eben auch viel selber tun, will man sein Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen.“

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