Bier aus der Region als Heilmittel angepriesen

"Für Väter und Mütter: Knallhütter" - Hütt-Werbung von 1956 begeistert das Netz

Kassel. Die Geschichte ist völlig abstrus, der gesprochene Text eine Ansammlung von Schüttelreimen. Aber gerade weil das alles so verschroben ist, hat ein jetzt wieder aufgetauchter Werbefilm der Hütt-Brauerei aus dem Jahr 1956 gerade großen Erfolg im Internet.

Worum es in dem Filmchen mit Amateurschauspielern geht? Ein wackerer Jägersmann wird vom Rückstoß seines Gewehrs umgeworfen und braucht dringend eine Stärkung. Der Doktor eilt in einem Krankenwagen aus der Kasseler Innenstadt zu Hilfe. Im Arztkoffer hat er eine Flasche Knallhütter Bier, deren Inhalt den Patienten schnell wieder aufpäppelt und nach „Mehr, mehr“ verlangen lässt. Ende gut, alles gut und darauf noch den Abschlussreim aus dem Mund des Doktors: „Für Väter und für Mütter: Knallhütter“.

„Ist das nicht herrlich?“, sagt Werner Baus (76), der den lange verschollenen Film aus den Tiefen der Archive ausgegraben hat. Sehr zur Freude von Brauereichef Frank Bettenhäuser, der schon viele positive Rückmeldungen bekommen hat. Sein Vater müsse damals den Film in Auftrag gegeben haben. Viel mehr wisse er nicht darüber.

Kinofachmann Werner Baus, der in Helsa-Eschenstruth ein privates Museum betreibt, kennt den Film noch aus seiner Jugend. „Meine Mutter war ab den 1950er- Jahren Platzanweiserin im Ufa-Kino“, sagt er. Jede freie Minute hat Baus im Kino verbracht. Damals sei der Knallhütter-Werbefilm häufig gelaufen und sehr beliebt gewesen.

Das wundert kaum und lag auch an den Schauspielern. Zu den Laiendarstellen gehörte Werner Lengemann, der bei der Sparkasse arbeitete und Chef der in Kassel bekannten Musikgruppe „Die 3 Coroners“ war. Er spielte den Doktor, der die flüssige Medizin verabreichte. Auch der Bassist Erwin Lotze und der Gitarrist Horst Siebrecht machten bei dem Film mit. Die Coroners waren eine Stimmungskapelle und spielten unter anderem auf der Bundesgartenschau, die 1955 in Kassel stattfand.

„Die Musik dafür hat mein Onkel Lutz Maurick geschrieben, der Kapellmeister am Staatstheater war“, sagt Werner Baus. Und noch ein Detail kann er berichten. Die Frau von Werner Lengemann, Elli, habe damals die Idee für den Werbespruch mit dem Reim Mütter/Knallhütter gehabt. Werner Baus ist es zu verdanken, dass wir darüber heute noch schmunzeln können.

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