Überschwemmungszonen geben Fluss ein Stück Natur zurück

Renaturierung: Die Fulda wird wieder wilder

Riesige Löcher im Boden: Aktuell werden am Fuldaufer bei Guntershausen zwischen der Baunamündung und dem Waldrand 700 Meter weiter in Richtung Rengershausen tiefe Rinnen und Mulden gegraben. Später werden sich die Löcher mit Wasser füllen und sich innerhalb weniger Jahre in naturnahe Lebensräume für gewässerliebende Tier- und Pflanzenarten verwandeln. Foto: Naumann

Baunatal. Die Fulda bei Guntershausen wird renaturiert. Neu angelegte Flutmulden, Tümpel, Teiche, Altarme und Überschwemmungszonen sollen dem Fluss künftig ein Stück Natur wiedergeben.

Doch bis es so weit ist, werden noch gut drei Wochen lang jede Menge Muldenkipper und Traktor-Gespanne durch Guntershausen rappeln. Sie transportieren rund 20 000 Kubikmeter Erdreich vom Westufer der Fulda ab.

Dort schaufelt derzeit ein Bagger pausenlos tiefe Löcher und breite Rinnen in den Boden. Später sollen sich die Vertiefungen mit Grundwasser füllen oder bei Hochwasser die Fulda-Fluten gezielt auf die Wiese geleitet werden.

28 Hektar Natur

Grenze ist der Radweg R 1, der leicht erhöht auf einem Deich etwa 30 bis 40 Meter vom Ufer entfernt das Renaturierungsgebiet abschließt. „Das Areal ist gut 700 Meter lang, insgesamt geht es um 28 Hektar“, sagt Hartmut Wicke vom Fachbereich Bau und Umwelt der Stadt Baunatal.

„Mit dem Vorhaben wird etwas für die Gewässergüte, den Natur- und den Artenschutz getan“, sagt Werner Haaß, Planer vom Büro für Ingenieurbiologie und Landschaftsplanung in Witzenhausen. Damit reagiere die Stadt Baunatal vor allem auf die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Sie hat zum Ziel, die Wasserqualität und den ökologischen Zustand von natürlichen Gewässern zu verbessern.

Flüsse ohne Auwälder 

Beides ist in den vergangenen 150 Jahren zu kurz gekommen. „Schrittweise wurden die Flüsse ihrer Auwälder und Überschwemmungszonen beraubt“, sagt Haaß. „Sie wurden begradigt und oft zu bloßen Wasserabflussrinnen degradiert.“

Artenvielfalt wird steigen 

Ein Schicksal, das über weite Strecken auch die Fulda ereilt hat. „Tatsächlich hat auch hier bei Guntershausen die Artenvielfalt rapide abgenommen. Durch die Renaturierung kann das aber wieder aufgefangen werden“, sagt Haaß.

In der Tat wird es nicht lange dauern, bis sich typische gewässerliebende Tier- und Pflanzenarten ansiedeln werden. „Das geht von ganz allein“, sagt Haaß. Lediglich gemäht werde die Fläche nur noch einmal im Jahr, sagt Wicke, „wenn überhaupt“. Besser sei es, Schafe oder Gänse darauf weiden zu lassen. Nur entlang des Radweges würden noch 33 Winterlinden gepflanzt. „Alles Setzlinge, die von uralten Lindenbäumen aus Nordhessen stammen“, erklärt Regina Braunewell, Landschaftsplanerin der Stadt Baunatal.

Etwa ein Drittel des Erdaushubs wird nun als Ackerboden genutzt und auf landwirtschaftliche Flächen verteilt. „Die Erde hier ist von hervorragender Qualität“, sagt Braunewell. Der Rest dient zur Abdichtung der Deponie in Großenritte.

Insgesamt kostet die Renaturierung 438 000 Euro, davon zahlt das Land 284.000 Euro. Bis Oktober ist das Projekt abgeschlossen.

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