Aschermittwoch von CDU und SPD: Futter für Bauch und Parteiseele

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Ahle Wurscht vom SPD-Unterkreis: Wolfram Meibaum (von links) mit Thorsten Schäfer-Gümbel und Timon Gremmels.

Baunatal. Saures gab es hier und dort, in Form von Heringen und von saftiger Kritik am politischen Gegner. Aufbaukost für Bauch und Parteiseele, das vor allem servierten die Baunataler CDU und der SPD-Unterkreis Baunatal-Schauenburg den eigenen Anhängern am Aschermittwoch.

Veranstaltungsorte waren das Clubhaus Hertingshausen und die Kulturhalle Großenritte und verpackt war die Kritik mehr oder weniger närrisch.

„Das ist die blut- und inhaltsleerste Landesregierung aller Zeiten“, ätzt SPD-Hessenchef Thorsten Schäfer-Gümbel, gern TSG genannt, über das schwarz-gelbe Bündnis in Wiesbaden. Ohne ihn gehört zu haben, keilt CDU-Kreisvorsitzender Frank Williges auf Distanz zurück: „Wenn man nichts zu sagen hat, tut man’s ein bisschen lauter.“

Hering von den CDU-Damen: Marion Gröschel (von links), Frank Williges, Andreas Mock, Heidemarie Slama, Ilse Scheuer, Renate Ziech, Christa Rieger und Erika Engel.

Lauter geht es bei der SPD in Großenritte in der Tat zu. Das liegt erstens an über 300 Gästen im Saal, während es bei der Union knapp 100 sind, und zweitens am Programm. Tanzmariechen Katrin Reinhardt, die Flamenco-Gruppe Carmen, eine Swing-Band der Musikschule, Protokoller Berthold Krug von der Großenritter Carnevalsgemeinschaft und Stimmungsmusik des Duos Stefan & Ingbert bringen die Genossen auf Touren.

Die Union ist eher dran. Eine gute Stunde vor dem Aufgalopp bei der SPD wird es ernst für die Damen der Frauen-Union, die mit Assistenz der CDU-Senioren zum 15. Mal Matjeshering und Schmandsoße kredenzen.

Landes- und Bundespolitik spielt zwar eine Rolle bei CDU-Chef Williges, der früher Abgeordneter in Wiesbaden war. Doch er widmet sich vor allem „den Hasardeuren in der Kreispolitik“, sprich: der SPD-Mehrheit, die „sprunghaft wie eine Teenie-Band“ agiere und partout nicht sparen wolle. Denn: Um 180 Millionen Euro habe der Landkreis Kassel sein Girokonto überzogen.

So weit ins Eingemachte taucht SPD-Landes- und Fraktionschef Schäfer-Gümbel, in Gießen daheim, natürlich nicht ein. Doch er geißelt nicht nur „die Wiesbadener Narrenschau“ von CDU und FDP, die leider noch 19 Monate andauern werde, ehe seine SPD ganz sicher übernehmen werde. Konkret auf Baunatal bezogen fordert er auch von der EU: „Finger weg vom VW-Gesetz!“ Da gibt es in der Volkswagen-Stadt den kräftigsten Beifall des Abends.

Bei dem Duell auf Abstand sekundieren Baunatals CDU-Chef Andreas Mock („In Wiesbaden wird geräuschlos gearbeitet“) und SPD-Landtagsmitglied Timon Gremmels („Wir werden 2014 wieder das beste Ergebnis in Hessen holen“).

Nur beim Bundespräsidenten herrscht letztlich Einigkeit zwischen den Kontrahenten. Da findet Williges Gauck besser als eine Führungskrise in Berlin, und Schäfer-Gümbel gibt die Parole aus: „Die Zeit des Wulffens ist vorbei.“

Man kann es auch auf die Art zusammenfassen, wie es Protokoller Krug jedes Jahr von neuem zur Freude des Publikums tut: „Leute, so kann die Chose nicht laufen, wir lassen uns nicht für dumm verkaufen.“ (ing)

Zitate

"Wir sind noch nicht die Griechen Deutschlands, aber wir nähern uns Portugal und Spanien."

CDU-Kreisvorsitzender Frank Williges zur Verschuldung des Landkreises Kassel

"Gott sei dank, was für ein Glück, kommt nicht der Guttenberg zurück."

Protokoller Berthold Krug zum neuen Bundespräsidenten.

"Das Nest wird noch dank Ratio-Land in Ratiohausen umbenannt."

Krug zu Hertingshausen und dem großen neuen Einkaufszentrum dort.

"Was den Bürgern nicht gefällt, im Aqua-Park versinkt das Geld."

Krug zu sinkenden Besucherzahlen und steigenden Kosten des Baunataler Schwimmbads.

"Ich bin die Vorgruppe von TSG."

SPD-Landtagsmitglied Timon Gremmels bei der Ankündigung des Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel.

"Mutti regiert mit Philipp Rösler auf dem Kindersitz daneben."

Schäfer-Gümbel zur Politik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

"Das ist ein zentraler Anschlag auf die Solarregion Nordhessen und ganz großer Unfug. Das ist das zweite Konjunkturprogramm für chinesische Solarhersteller."

Schäfer-Gümbel zur aktuellen Kürzung der Solarförderung durch Berlin.

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