10,5 Millionen Liter pro Stunde

Gigantische Sprinkleranlage im Baunataler VW-Werk: Wasser aus 300.000 Köpfen

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Wichtige Kleinteile: So sehen die Sprinklerköpfe aus, die in den Hallen von VW eingebaut sind. Wenn die Glasröhrchen darin platzen, schießt Löschwasser aus den Leitungen heraus.

Baunatal. Wenn an irgend einem Punkt im VW-Werk ein Feuer ausbricht, dann löst an dieser Stelle, und nur an dieser Stelle, automatisch eine Sprinkleranlage aus.

Das mit hohem Druck heraussprühende Wasser soll die Flammen eindämmen, bis die Werkfeuerwehr eintrifft. Die Ausmaße der Feuerlöschanlage sind gigantisch: 291 745 Sprinklerköpfe gibt es im Werk und im benachbarten Original-Teile-Center (OTC) in Baunatal.

Auch das Leitungsnetz für die Versorgung der Sprinklerköpfe ist riesig. „Über 10,5 Millionen Liter Wasser können die Pumpen in einer Stunde schaffen“, erläutert Sven Günther, der bei der Werkfeuerwehr für die Anlage zuständig ist. Eine genaue Auflistung über die Länge aller Rohrleitungen gebe es nicht.

In großen Tanks nahe der insgesamt 13 Sprinklerzentralen auf dem weitläufigen Werksgelände werden 7,8 Millionen Liter Wasser für den Ernstfall in Reserve gahalten. 15 Dieselmotoren und acht Elektromotoren pumpen das Löschwasser an jeden Punkt der Hallen. Alle Leitungen sind in einem Netz miteinander verbunden.

In fünf Minuten vor Ort

Dichtes Netz: Die roten Leitungen kommen von der Decke und versorgen jedes Regal des OTC mit Wasser.

„Die Sprinkleranlage ist nicht dazu da, das Feuer zu löschen“, sagt Sven Günther. „Sie soll den Brand begrenzen bis die Feuerwehr eintrifft.“ Die Wehrleute der Werkfeuerwehr müssen innerhalb von fünf Minuten an jedem Punkt des VW-Werks sein. Das ist schneller, als es die gesetzlichen Vorgaben für Feuerwehren außerhalb der Fabrik fordern. Für herkömmliche Wehren gilt eine Hilfsfrist von zehn Minuten.

In jedem Regal des OTC und in jedem Produktionsbereich gibt es die roten Wasserleitungen, an deren weit verzweigten Enden die Sprinklerköpfe sitzen. Und so funktioniert die Technik: In jedem der Köpfe gibt es eine kleine Glasampulle. Diese platzt in der Regel bei einer Temperatur von 68 Grad. Durch den Druck von acht bis zehn bar in der Leitung öffnet sich dann ein kleiner Deckel und das Wasser schießt heraus. Automatisch falle der Druck im Leitungsnetz ab, erläutert Günther. „Dann bekommen wir einen Alarm in der Feuerwache.“ Zusätzlich gebe es Rauchmelder, die ebenfalls Alarm auslösen können. Wird der Druck den Leitungen zu schwach, starten die Pumpen in den Sprinklerzentralen.

Sven Günther stellt damit auch ein Szenario klar, das gerne in Hollywood-Filmen verwendet wird. Um Unruhe zu stiften, startet jemand ganz einfach mit einem Feuerzeug eine Sprinkleranlage in einer ganzern Halle. „Bei uns kann das niemand. Hier löst nur der Sprinkler genau an diesem Punkt aus.“

Eine Sprinkleranlage sei Teil des Brandschutzkonzeptes für die Baugenehmigung, erläutert der Feuerwehr-Experte. Dass es einen größeren Vorfall mit Einsatz der Sprinkleranlage gegeben habe, daran kann sich Sven Günther jedenfalls nicht erinnern. „Das ist ein gutes Risk-Managment“, sagt er. „Gott sei dank löst solch eine Anlage relativ selten aus.“

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