Naumburger Kleinbahn

Gute Chancen für Regiotram im Bauna-Tal

Baunatal/Schauenburg. Verkehrt in absehbarer Zeit die Regiotram auch im Bauna-Tal? Bei Hessen Mobil kann man sich das jedenfalls gut vorstellen.

In einer Untersuchung der Landesbehörde zu einer möglichen Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken in Hessen, die der HNA vorliegt, räumt man dem Personenverkehr auf der heute lediglich von dem Museumszug Hessencourrier genutzten Strecke gute Chancen ein. In der so genannten Potenzialanalyse wird der Strecke ein „mittleres Potenzial“ bescheinigt.

Konkret beschäftigt sich Hessen Mobil mit dem 3,4 Kilometer langen Teilstück der einstigen Kassel-Naumburger Eisenbahn zwischen Baunatal-Großenritte und dem Schauenburger Ortsteil Hoof. Die Strecke sei betriebsbereit und in einem guten Zustand, heißt es in dem internen Papier.

Und auch bei der Gesamteinschätzung kommt Hessen Mobil zu einem positiven Ergebnis. Wegen der Nähe zur Großstadt Kassel, wegen des VW-Werks in Baunatal und der Stadt Baunatal selbst sei „eine hohe Nachfrage zu erwarten“.

Die Kosten für eine Reaktivierung der Strecke für den Personenverkehr schätzt Hessen Mobil als eher gering ein. Als Gründe nennen die Verkehrsexperten die vorhandene Bahn-Infrastruktur. Auch die Regiotram selbst könne vergleichsweise kostengünstig betrieben werden. 

Hessen Mobil will die Strecke nicht elektrifizieren, sondern setzt stattdessen auf dieselgetriebene Züge. Eingesetzt werden könnten Hessen Mobil zufolge so genannte Zweirichtungsfahrzeuge. Sie verfügen über zwei Führerstände und sind damit gut für eingleisige Strecken geeignet. 

Reaktion aus Baunatal

In Baunatal ist man hinsichtlich einer Wiederbelebung der Strecke nicht allzu optimistisch. Im Gespräch mit der HNA verwies Erste Stadträtin Silke Engler (SPD) am Donnerstag auf Gespräche über eine Tram-Erweiterung mit der Stadt Niedenstein, mit Schauenburg und der KVG. 

„2013 sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass das wirtschaftlich nicht darstellbar ist“, sagte Engler. „Interesse an der Regiotram ist das eine, Mitfahren das andere.“ Die Untersuchung im Zusammenhang mit der Neufassung des Verkehrsentwicklungsplans für Baunatal habe seinerzeit ergeben, dass die Gleise nicht einfach mitgenutzt werden könnten und auch eine neue Signaltechnik notwendig sei. 

Reaktion aus Schauenburg

In Schauenburg begrüßt man zwar grundsätzlich alle Vorschläge zur Verbesserung der Infrastruktur. „Für eine Beurteilung der Untersuchung fehlen uns aber die Details“, sagte der Erste Beigeordnete Manfred Nehm (SPD). Er fordert die Landesregierung auf, den Kommunen die Ergebnisse der Untersuchung zur Verfügung zu stellen. 

Hintergrund:

Die Strecke der 1901 gegründeten, einstigen Kassel-Naumburger Eisenbahn (KNE) führt über 23 Kilometer von Kassel über Baunatal, die Schauenburger Ortsteile Elgershausen, Hoof und Breitenbach und weiter über Bad Emstal-Sand nach Naumburg. Der Personenverkehr wurde 1977 eingestellt, bis 1991 wurde die Trasse noch für den Güterverkehr genutzt. Seit 1972 verkehrt der von einer Dampflokomotive gezogene Museumszug Hessencourrier, der seine Basis am IC-Bahnhof Wilhelmshöhe hat, zwischen Kassel und Naumburg. Die Strecke ist eingleisig und nicht elektrifiziert. Sie wurde 2005 von der heutigen Hessischen Landesbahn übernommen. 

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