Nur die Hälfte der VW-Belegschaft arbeitet am Freitag

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So ähnlich könnte es aussehen: Nur ein Teil der Mitarbeiter ist heute im VW-Werk beschäftigt, das Bild entstand kürzlich beim Aufbau in der neuen Halle 3 a.

Baunatal. Da, wo sonst täglich Tausende Getriebe für den Autobau vom Band laufen, dreht sich am heutigen Freitag zum Teil kein Rad. Das VW-Werk Kassel in Baunatal mit rund 17.000 Beschäftigten hat als Folge des Abgasskandals einen Schließtag verordnet bekommen.

Nur etwa die Hälfte der sonst anwesenden 12 000 Mitarbeiter sei da, bestätigt Werksprecher Heiko Hillwig auf Anfrage.

Die Ruhetage waren zwar laut Betriebsratschef Carsten Bätzold in einigen Abteilungen seit längerem geplant, wurden aber wegen der aktuellen Lage auf weite Teile der Fabrik ausgeweitet.

Rund 3000 Beschäftigte sind laut Hillwig in der Produktion tätig. Etwa in der Abgasanlagenfertigung, in der Warmumformung, im Laserpark und in einigen Sparten der Getriebefertigung. Auch alle 2500 Beschäftigten des benachbarten Original-Teile-Centers (OTC) sind an Bord. Hinzu kommt ein Viertel der Verwaltungsmitarbeiter. Das sind rund 500 Frauen und Männer.

Mit Schließtagen will der Standort Kosten senken. Die Produktionsumläufe müssten aufgrund der Krise runtergefahren werden. Das hatte Betriebsratschef Carsten Bätzold bereits am Mittwoch erläutert. Um Weihnachten herum sollen weitere Schließtage folgen.

Sie sind einsatzbereit: Die Mitarbeiter der Werkfeuerwehr. 

Die Mitarbeiter, die zu Hause bleiben, gleichen den Ruhetag über ihre Freizeitkonten aus. Es handele sich um den ganz normalen Ausgleich von Überstunden, betont Bätzold das Prozedere. Er trete damit Gerüchten entgegen, dass es um so etwas wie Kurzarbeit gehe. Schließtage dienten dazu, Beschäftigung zu sichern und Liquidität herzustellen.

Einige Mitarbeiter bereiten heute zudem eine Inventur vor, die laut Betriebsrat am morgigen Samstag über die Bühne gehen soll. „Alle Teile eines Produktionsbereichs werden gezählt“, erklärt Hillwig.

Übrigens: Bis zum Sommer 2015 konnten sich die Beschäftigten Überstunden wahlweise ausbezahlen oder auf ein Freizeitkonto buchen lassen. Schon vor der Abgaskrise, die den Konzern seit September erschüttert, verspürte man in Baunatal einen steigenden Spardruck. Um Kosten zu senken, durften die Beschäftigten ab sofort Mehrarbeit nur noch mit Freizeit verrechnen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich rund 60 Prozent der Arbeitnehmer Überstunden bezahlen lassen.

Weitere Abteilungen sind natürlich heute trotz des Schließtages besetzt - wie etwa der Werkschutz, die Werkfeuerwehr, das Kraftwerk und Teile der Werktechnik.

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