"Tiere werden immer wieder zu Tode gehetzt"

Hegegemeinschaft Habichtswald: Hunde unbedingt anleinen

Ohne Leine im Wald: Diesen Golden Retriever hält nichts mehr. Das könnte aber derzeit für manches Wildtier gefährlich werden. Das Bild entstand in einem Waldgebiet bei Stuttgart. Archivfoto: dpa

Baunatal/Schauenburg. „Es ist ein dringender Appell an alle Hundebesitzer: Wir bitten diese, ihre Hunde unbedingt anzuleinen."

Horst Mihr, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Habichtswald, sagt diese Worte mit Nachdruck. Denn im Gegensatz zum Nachbarland Niedersachsen gibt es in Hessen keine gesetzliche Anleinpflicht für Hunde im Wald.Und so setzt er auf die Einsicht der Hundebesitzer.

Im Frühjahr komme es immer wieder vor, dass frei laufende Hunde Bodenbrüter überraschten und trächtige Tiere zu Tode hetzten, erläutert Mihr. Dennoch will er die Hundebesitzer auf keinen Fall an den Pranger stellen. Viele verhielten sich vorbildlich und seien einsichtig, sagt der 75-jährige Baunataler, der seit 45 Jahren Jäger und seit 1997 Vorsitzender der Hegegemeinschaft Habichtswald ist.

Die Hegegemeinschaft umfasst 13 000 Hektar Fläche von Weimar über Kassel bis nach Rengershausen. 25 Jagdreviere gehören dazu.

„Ein Reh, das trächtig ist, hat dann keine Chance“, erläutert der Experte. „Wir haben immer mal wieder gerissene Rehe gefunden.“ Außerdem besteht die Gefahr eines Verkehrsunfalls, wenn etwa ein gehetztes Tier plötzlich auf die Straße läuft. Hundebesitzer könnten für alle von ihrem Hund verursachten Schäden - ab Verkehrsunfall oder Wildschaden - haftbar gemacht werden, betont Mihr.

Appelliert an die Hundebesitzer: Horst Mihr ist Vorsitzender der Hegegemeinschaft Habichtswald. Foto: Kühling

In Niedersachsen müssen Hunde ab dem 1. April an die Leine. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Geldbuße von 5000 Euro rechnen. Bis zum 15. Juli gilt die besondere Schutzzeit in den Waldgebieten. Geregelt ist das alles in Paragraf 33 der niedersächsischen Wald- und Landschaftsordnung.

Horst Mihr glaubt nicht, dass es in Hessen eine ähnliche gesetzliche Regelung geben wird. „Das mit der Anleinpflicht kriegen wir hier nicht durch“, sagt er. Man setze deshalb hier auf Appelle. „Das ist jedes Jahr ein Thema. Unter anderem haben wir schon Schilder an den Waldrändern aufgestellt.“

Den Satz von vielen Hundebesitzern „Der tut doch nichts“ lässt Horst Mihr jedenfalls nicht gelten. „Manche Wildtiere und Vögel ziehen ihre Jungen am Boden auf. Sie betrachten Mensch und Hund als Bedrohung. Sie geraten in Panik, die Elterntiere flüchten und die Jungtiere verhungern“, erläutert er. „Auch wenn der Hund der liebste Hund der Welt wäre, würden die Wildtiere das nicht wissen“

Kontakt mit Jägern 

Horst Mihr steht in ständigem Kontakt mit den Jägern und den örtlichen Landwirten. In diesem Jahr habe es zum Glück noch keinen dramatischen Vorfall gegeben, sagt der Baunataler. „Gott sei Dank ist noch nichts passiert.“

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