Heide Bahr startet zu ihrer elften Pilger-Etappe nach Santiago de Compostela

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Jedes Jahr ein Erinnerungsbuch: Heide Bahr zeigt ein Bild, auf dem sie mit den übrigen Pilgern vor einem französischen Dorf auf der Landstraße am Wegesrand rastet.

Baunatal. Zwischen dem Beginn und dem Ende der Herbstferien liegen für Heide Bahr 330 Kilometer Fußmarsch zwischen dem französischen Eauze und dem spanischen Los Arcos und die Überquerung der Pyrenäen auf bis zu 1500 Meter hohen Wegen.

Doch die 49-jährige schreckt diese Anstrengung nicht. Sie freut sich auf die nächste Etappe der Pilgerwanderung nach Santiago de Compostela. Es ist bereits ihre elfte Pilgertour, sie ist die Veteranin der Baunataler Wallfahrer. „Ich brauche das mittlerweile einfach“, sagt sie.

Weit über 1000 Kilometer ist Bahr inzwischen durch die Landschaft gepilgert und hat dabei mindestens drei Paar Schuhe verschlissen. „Ich habe immer ein zweites paar zum Wechseln dabei“, sagt sie. Längst weiß die Baunatalerin, dass sie morgens ihre Füße pflastern muss, damit es keine Blasen gibt. Für Notfälle ist sie gewappnet. Zur Sicherheit nimmt sie ein Zelt mit, falls eine Pilgerherberge allzu ungemütlich ist, wie sie es einmal erlebte. „Da bin ich pingelig“, sagt Bahr.

Die zahnmedizinische Fachassistentin hat häufig ihren Urlaub für das Erlebnis einer Pilgerreise geopfert. „Mit Urlaub ist das nicht zu vergleichen. Das Zuhause ist sofort ausgeblendet. Es gibt keinen Stress“, erzählt Bahr. Es entstehe schnell eine Vertrautheit innerhalb der Pilgergruppe, man bete und gelange zu innerer Einkehr. Man denke auch über Probleme nach, für die man in der Hektik des Alltags keine Lösung gefunden habe.

„Jeder hat ja sein Päckchen zu tragen“, sagt die Baunatalerin. Da kämen auch Dinge zur Sprache, über die man zu Hause nicht so leicht sprechen könne. Das schweiße zusammen. Sie habe viele neue Freunde während der Wanderungen gewonnen.

Bahrs Ehemann war einige Male mit von der Partie, als Fahrer, der den Pilgern das Essen brachte. Auch ihr Sohn Jonas ist schon mal mitgelaufen. Nach der Rückkehr sei es mitunter schwer, in den Alltagstrott zurückzufinden. „Da ist es mir schon passiert, dass ich ohne Wohnungsschlüssel aus dem Haus gegangen bin“, erzählt Bahr.

Bei jeder Etappe gibt es einige Neulinge, die das Pilgern einmal ausprobieren wollen. Nicht alle sind so begeistert davon wie Heide Bahr. „Es gibt Leute, die wollen nicht jeden Tag Gottesdienst feiern. Oder sie sagen: Das ist mir zu eng“, erklärt Pfarrer Günter Törner, der die Reisen jedes Jahr organisiert.

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