Ulrike Jakob ist jetzt im VW-Aufsichtsrat

Hoffnung für 130 Leiharbeiter im Baunataler VW-Werk 

Baunatal. „Ich werde für den Standort Kassel das Gewicht in die Waagschale werfen“, sagt Ulrike Jakob. Die 57-Jährige aus Edermünde-Holzhausen hat eine neue Aufgabe im Aufsichtsrat des VW-Konzerns.

Seit 41 Jahren arbeitet sie in der Fabrik in Baunatal, seit fünf Jahren ist sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Seit der Jahreshauptversammlung von Volkswagen am 10. Mai in Hannover gehört sie dem höchsten Gremium von Europas größtem Autokonzern an.

Während der Hauptversammlung wurde Jakob von Vorsitzendem Hans Dieter Pötsch als neues Mitglied im Aufsichtsrat vom Podium aus begrüßt. Im Anschluss an die Versammlung fand dann die konstituierende Sitzung des mächtigen Kontrollorgans mit den neuen Mitgliedern statt. „Die 294. Sitzung des Aufsichtsrats war meine erste“, berichtet Jakob.

Ulrike Jakob

Einerseits sei sie jetzt Teil der Unternehmensführung, andererseits behalte sie als Vertreterin der Arbeitnehmer einen anderen Blickwinkel auf den Konzern, sagt Jakob. Und damit ist sie thematisch wieder bei ihrem nordhessischen Standort, mit 16 000 Beschäftigten der zweitgrößte in Deutschland. „Wir wollen auf Kassel gucken“, sagt sie. Schließlich sehe das VW-Zukunftsprogramm „Zukunftspakt“ vor, dass über Altersteilzeit auch Arbeitsplätze an allen Standorten abgebaut werden.

Neue Produkte

Bei Entscheidungen beispielsweise über die Vergabe von neuen Produkten will Jakob mitmischen in Wolfsburg. Das Baunataler Werk sei bislang sehr gut ausgelastet. Das müsse auch so bleiben, betont sie. Dieses Ziel verfolge sie gemeinsam mit Betriebsratsvorsitzendem Carsten Bätzold.

Während in anderen Werken bereits Stellen für Leiharbeiter weggefallen sind, steht Kassel bei den Zeitarbeitsjobs noch gut da. 500 Leiharbeiter gibt es aktuell. Für rund 130 laufen die Verträge im zweiten Halbjahr nach insgesamt 36 Monaten aus. „Für diese Leiharbeiter wollen wir eine Lösung finden“, sagt Jakob. Die Chancen auf eine Übernahme stünden derzeit nicht schlecht. „Das sieht gut aus. Wir glauben das aber erst, wenn wir das in trockenen Tüchern haben.“

Die Edermünderin rutscht in schwierigen Zeiten in den Aufsichtsrat von VW. Diskutiert wird über den Abgasskandal, die Vorstandsgehälter und Betriebsratsvergütungen sowie den Umbruch zu Elektromobilität und Digitalisierung. „Ich bin gut im Fragen stellen“, sagt sie selbstbewusst. „Ich nehme kein Blatt vor den Mund.“

Den Vorwurf, dass die Aufklärung des Abgasskandals in den Reihen von Volkswagen nicht weit genug gehe, will Ulrike Jakob aber nicht gelten lassen. Die dafür eingesetzte Anwaltskanzlei Jones Day habe sehr sorgfältig gearbeitet, betont sie. Es gebe aber Erkenntnisse, die aus rechtlichen Gründen nicht eins zu eins in die Öffentlichkeit getragen werden dürften. „Wir sind vom Gesetz her gehalten, bestimmte Spielregeln zu beachten.“ Damit stützt sie die Position von Aufsichtsratsvorsitzendem Hans Dieter Pötsch, der sich ähnlich auf der Hauptversammlung in Hannover äußerte.

„Ist noch Luft nach oben“

In Zeiten des jetzt mit dem „Zukunftspakt“ eingeschlagenen Weges bei VW, mit dem auch Arbeitsplätze an einigen Standorten wegfallen, sieht Jakob allerdings auch die Manager in der Pflicht zum Sparen. „Die Verantwortlichen, die schließlich nicht am Hungertuch nagen, müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Da ist noch Luft nach oben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.