Stapeln statt warten: Ideen von Mitarbeitern sparen bei VW Millionen

Baunatal. Mitarbeiter von VW in Baunatal haben im vergangenen Jahr 10.000 Verbesserungsideen eingebracht. Und dadurch hat das Werk wieder viele Millionen Euro eingespart.

Wenn der Roboter an der Maschine von Mohamed-Mustafa Bal (35) und René Reinhardt (25) das letzte Blechteil in den letzten Behälter gestapelt hatte, dann wurde die Produktion erst mal abgeschaltet.

„Die Maschine stand für drei Stunden still“, sagt Bal. Solange, bis alle Teile für den Mitteltunnel eines Autos in andere Behälter umgepackt waren. Mit der Idee der beiden VW-Mitarbeiter den Roboter umzurüsten, läuft die Maschinen nun ohne Unterbrechung durch - und der Autobauer spart umgerechnet rund 17 000 Euro pro Jahr.

Der Verbesserungsvorschlag von Bal und Reinhardt ist nur einer von mehr als 10 000, die VW-Mitarbeiter im vergangenen Jahr zum so genannten Ideenmanagement einreichten. Die Vorschläge der Beschäftigten sorgten schließlich für Einsparungen von 17,1 Millionen Euro.

2013 hatte die Summe noch bei 25,5 Millionen Euro gelegen. Das sei aber eine ungewöhnlich hoher Wert gewesen, weil dort ein einzelner Vorschlag enthalten gewesen sei, der allein für fünf bis sechs Millionen Einsparung gesorgt hatte, erläutert Michael Fischbach, der im Baunataler Werk für die Verbsserungsprozesse zuständig ist.

Tanz der Roboter: Die Maschinen wurden so umgerüstet, dass künftig keine Pause durch Umstapeln mehr entsteht.

Die Zahl der eingereichten Ideen ist im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. Waren es 2013 noch 8209, nannten VW-Mitarbeiter 2014 zusammen 10 552 Verbesserungsvorschläge. „Über 60 Prozent unserer Belegschaft beteiligt sich daran“, lobt Fischbach das breite Engagement. Die Vorschläge seien manchmal ganz einfach, sagt Hartmut Sauber, der das Ideenmanagement im Werk betreut. In der Gießerei sei ein Vorschlag gewesen, in einem Bereich die Hälfte der Belüftungsventilatoren abzuschalten. Nachweislich sei dadurch das System nicht schlechter geworden, erläutert Sauber. „Es wird dadurch aber ein siebenstelliger Betrag eingespart. Das sind Highlights.“

Die Teile für den Mitteltunnel müssen nun nicht mehr in die Hand genommen werden. Die Idee von Mohamed-Mustafa Bal (links) und René Reinhardt hat dafür gesorgt.

Versüßt wird den Mitarbeitern, deren Idee vom Ideenmanagement anerkannt wird, durch ein Prämie. Diese berechnet sich laut Fischbach nach einem besonderen Schlüssel. Schließlich können Einzelpersonen genauso wie Gruppen Vorschläge einreichen. Die Zahl der in Baunatal ausgezahlten Prämien ist laut Fischbach von 2013 von 3,5 Millionen Euro auf 3,9 Millionen gestiegen. Wieviel Geld die einzelnen Mitarbeiter für ihre Verbesserungsvorschläge bekommen, darüber sagt der Autobauer allerdings nichts.

Zurück zur Idee von Mohamed Bal und René Reinhardt. Neben dem Effekt, dass die Maschine in der Warmumformung nun ohne Pause produzieren könne, sei auch eine Verbesserung aus ergonomischer Sicht eingetreten, sagten sie. Bisher mussten die Blechteile per Hand von vier bis sechs Mitarbeitern in andere Behälter umgestapelt werden. Bal: „Jetzt stapelt der Roboter automatisch ab.“

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Rubriklistenbild: © Kühling

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