Mit Ehrenamtspreis ausgezeichnet

Interkulturelle Elternpaten aus Baunatal helfen fremdsprachigen Müttern und Vätern

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Preisträger aus Baunatal: die Interkulturellen Elternpaten (von links) Aida Kinderknecht, Simiak Zare, Maryam Simani, Adiba Faruk, Hayat Ali, Suzan Yildiz, Fereshte Khosravi.

Baunatal. Ein wenig stolz sind sie schon, die Interkulturellen Elternpaten aus Baunatal. Am Dienstag erhielt die Gruppe die Landesauszeichnung Soziales Bürgerengagement.

Manuela Döring

„Jeder von uns arbeitet hart für das Projekt“, sagt Maryam Simani und spricht dabei für 13 weitere Frauen und vier Männer, die sich für Eltern mit ausländischen Wurzeln einsetzen. Gestartet ist das Projekt bereits 2012 mit der Idee, Mütter zu unterstützen, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig und in ihrem Alltag in Deutschland auf Unterstützung angewiesen sind. Das berichtet Manuela Döring, die Sozialpädagogin koordiniert die Arbeit der Ehrenamtler.

„Wir sind auch Mütter, wir kommen auch aus dem Ausland“, ergänzt die gebürtige Iranerin Maryam Simani. Ihr selbst sei nach ihrer Ankunft in Deutschland so viel geholfen worden, dass sie sich heute gewissermaßen verpflichtet fühlt, auch anderen Eltern zur Seite zu stehen.

Mit Sprache und Wissen

Dafür sei zum einen natürlich die Sprache, zum anderen aber auch das Hintergrundwissen notwendig, das man sich mit der Zeit in einem zunächst fremden Land aneignet, erklärt Suzan Yildiz, die aus der Türkei stammt. Was bedeutet Inklusion in Schulen? Was hat es mit Ergotherapie auf sich? Was mit Logopädie? Fragen, die wie der Umgang mit dem Jugendamt verängstigen können und die das vom Förderverein des Stadtteilzentrums Baunsberg und vom hessischen Förderprogramm WIR finanziell unterstützte Projekt beantworten will.

Die Antworten geben die Frauen und Männer auf Türkisch, Kurdisch, Arabisch, Farsi, Dari, Urdu, Tigrinisch, Französisch, Englisch, Somalisch und Russisch. Und: Sie sind nicht nur sprachlich breit aufgestellt, sondern auch lebensgeschichtlich. Während einige aus freien Stücken nach Deutschland kamen, musste Hayat Ali vor vier Jahren aus Syrien flüchten – sie weiß, wie es sich anfühlt, mit Angst im Gepäck die Heimat zu verlassen. Heute will Ali anderen Geflüchteten zeigen, dass man sich gut integrieren kann, dass man optimistisch bleiben sollte.

Sie selbst erhielt bei den Interkulturellen Elternpaten Unterstützung, hat wie ihr Mann einen Job gefunden, ihre Tochter wurde von der Theodor-Heuss-Schule in Baunatal als Schulbeste im Fach Deutsch ausgezeichnet.

Keine Pflicht

Hayat Ali und die anderen Baunataler Elternpaten leben vor, dass Integration keine Pflicht sein muss, sondern auch Herzensangelegenheit sein kann. Ihr Einsatz und Erfolgsgeschichten wie die Hayat Alis sind Gründe genug, um stolz auf sich zu sein – ob mit oder ohne Landesauszeichnung.

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