Deutscher Städte- und Gemeindebund fordert digitalen Ausbau im ländlichen Raum

Internetprobleme auf dem Land: „Es ist keine Spielerei, es gehört zur Grundversorgung“

Baunatal. Noch immer gibt es weiße Flecken auf Deutschlands Landkarte, ganze Dörfer sind vom Internet abgeschnitten oder müssen sich mit langsamen Surfgeschwindigkeiten abfinden.

Auch in vielen Orten im Landkreis Kassel scheint das Verschicken von großen Dateien unmöglich – das Ladesymbol auf dem Bildschirm ist ein ständiger Begleiter. Dagegen will der Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Verkehr des Deutschen Städte- und Gemeindebundes etwas tun.

Er traf sich jetzt zu einer zweitägigen Tagung in Baunatal und diskutierte über die fehlenden oder schlechten Internet- und Mobilfunkverbindungen auf dem Land. Das Ergebnis ist eine Forderung an die Politik in Berlin: Internetgeschwindigkeiten müssen ausgebaut und Lücken im Netz geschlossen werden. Denn der Ausbau der digitalen Infrastruktur entspricht in vielen ländlichen Regionen nicht den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Wirtschaft.

„Der ländliche Raum hinkt im Vergleich zu den Ballungsgebieten hinterher“, sagte Markus Schäfer, bisheriger Ausschussvorsitzender und Bürgermeister der Gemeinde Bad Endbach (Landkreis Marburg-Biedenkopf). Diese Benachteiligung der Bevölkerung sei für den Ausschuss nicht akzeptabel. „Auf dem Land sollten dieselben Voraussetzungen vorzufinden sein wie in Städten.“

„Das Internet ist keine Spielerei, es gehört zur Grundversorgung“, sagte Schäfer. Bankgeschäfte werden inzwischen online erledigt, Schriftverkehr findet über E-Mails statt und auch Weiterbildungen funktionieren oft nur mithilfe des Internets.

Der Ausbau der Verbindungen sei vor allem wichtig für Gewerbetreibende im ländlichen Raum, sagt Schäfer. „Nur so können Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, es werden Arbeitsplätze erhalten und weitere geschaffen.“ Ohne eine Anbindung seien Unternehmen und auch Freiberufler immer weniger konkurrenzfähig. Digitale Angebote seien die Basis für eine positive Entwicklung von Kommunen und Regionen.

Das Stichwort Homeoffice brachte der neue Ausschussvorsitzende Ingo Hacker, Bürgermeister der Baden-Württembergischen Gemeinde Neuhausen auf den Fildern (Landkreis Esslingen), zur Sprache. Um von Zuhause arbeiten zu können, braucht jeder Arbeitnehmer oder Freiberufler schnelles Internet. „Das ist vor allem für junge Familien und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig.“ Darauf aufbauend thematisierte Hacker den Nachwuchskräftemangel. „Denn flächendeckende Internet- und Mobilfunkverbindungen tragen zur Attraktivität eines Wohnortes bei.“

Obwohl das Problem mit dem Internet schon lange in der Diskussion steht, ist der Ausschuss optimistisch, dass er mit seinen Forderungen etwas bewirken kann. Manfred Schaub, Bürgermeister der Stadt Baunatal (SPD), nannte Gründe dafür: „Das Internet ist als Grundversorgung anerkannt, es ist ein entscheidender Bestandteil von Arbeitsplatzbeschaffung und es sind finanzielle Unterstützungen durch den Bund möglich. 

Rubriklistenbild: © dpa

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