Hochwasserschutz

22 Jahre nach dem Hochwasser im Bauna-Tal: Eine Bilanz

Blick von der Dorfbrücke: Der Bagger schüttet im Randbereich einen Wall auf, der die Fluten auch bei extremem Hochwasser bändigen soll. Die Reste der alten Stützmauer im Wasser (halbrechts) werden noch abgerissen. Fotos: Dilling

Baunatal. 1992 überschwemmte ein Hochwasser das Bauna-Tal, Straßen wurden überflutet, viele Keller liefen voll. Gegen solche Katastrophen fühlen sich Schauenburg und Baunatal nun gewappnet.

Die millionenschweren Hochwasserschutzmaßnahmen im Baunatal gehen auf die Zielgerade. Sie wirken wie eine Art Autobahn. Das Wasser im engen Bett der Bauna bekommt mehr Raum, es kann schneller abfließen, Staus im engen Flussbett werden vermieden. Ab nächstes Jahr steht der letzte Akt an: Für schätzungsweise fünf Millionen Euro wird ein Hochwasser-Polder bei Kirchbauna errichtet.

In Guntershausen graben sich die Bagger noch unweit der Dorfbrücke in die Böschung der benachbarten Grundstücke. Hier geht es besonders eng zu. Daher wird eine alte Stützmauer abgebrochen und eine neue, höhere Mauer errichtet. Schräge Wälle aus Naturstein sollen dem Wasser mehr Raum geben, wenn der Flusspegel sprunghaft steigt. Unter der Dorfbrücke wird ein weiterer Durchlass, eine Art Bypass für die Flut, gebaut. Auf diese Weise soll die Bauna in Guntershausen rund 60 Kubikmeter Wasser pro Sekunde transportieren können. „Wir sind für ein 100-jähriges Hochwasser gerüstet“, sagt Horst Brixel vom Verband für Abwasser und Hochwasserschutz, in dem sich die beiden Bauna-Kommunen zusammengeschlossen haben.

Die bisherigen Kosten beziffert Brixel auf 1,25 Millionen Euro. Etwa 65 Prozent trägt das Land. Für das geplante Hochwasserrückhaltebecken in Kirchbauna, dessen Bau an die drei Jahre dauern wird, warte man noch auf den Förderbescheid, sagte er.

Neue Brücke: Dieses Bauwerk liegt höher als das alte an dieser Stelle.

Oberhalb des Dorfkerns von Gunterhausen, an der Obermühle, sind die Arbeiten schon fertig. Dort wurde eine vorhandene Fußgängerbrücke erneuert und einen Meter höher gesetzt, damit das Wasser mehr Raum hat. Die Böschung zur Bauna wurde abgeflacht, damit sich die Flut ausbreiten kann. Unterhalb der Dorfbrücke ist noch einiges zu tun. Die Arbeiten werden sich bis ins Frühjahr hineinziehen. Auch dort müssen die Bagger in private Grundstücke hineingraben, damit der Wasserspiegel mehr Raum bekommt. Hinsichtlich der Flächenankäufe des Verbandes habe es keine Probleme gegeben. „Wenn es um Hochwasser geht, verstehen das alle“, sagt Brixel.

Damit scheint er recht zu haben: Als Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) und Schauenburgs Verwaltungschefin Ursula Gimmler (CDU) am Donnerstagabend eine Schautafel mit den Details der Schutzmaßnahmen enthüllten, klatschten zahlreiche Guntershäuser Bürger mit. Die Beschwerden Baunataler Bürger über vollgelaufene Keller seien zurückgegangen, sagte Schaub. Gimmler lobte die gute Zusammenarbeit beider Kommunen, die von Parteizugehörigkeiten nicht beeinträchtigt werde.

Für die Verbreiterung der Bauna in Guntershausen wurden 3500 Kubikmeter Boden bewegt und 2250 Tonnen Steine zur Böschungs- und Hangabsicherung verbaut. Für die neuen Ufermauern benötigte man 85 Kubikmeter Beton. Außerdem wurden drei Fußgängerbrücken abgerissen. Schon vorher war die Mündung der Bauna in die Fulda renaturiert worden, damit sich der Fluss bei einem Hochwasser der Fulda nicht so stark nach Gunterhausen zurückstaut.

Die Hochwasserschutzmaßnahmen in Kirchbauna sind bereits 2013 abgeschlossen worden. Dort wird nur noch der Polder gebaut, der dosiertes Ablassen der Fluten ermöglicht. (pdi)

Von Peter Dilling

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