Unterstützung bei Mammutaufgabe

Kurs gibt Selbstvertrauen für pflegende Angehörige

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Schonende Bewegungen für Gepflegten und Pflegenden: HNA-Praktikantin Jule Kettelhoit (links) wird von Kursleiterin Sigrid Dallmann vom Rücken auf die linke Seite gelegt. 

Baunatal/Kassel. Von Körperpflege bis hin zur Medikamentengabe: Ein Kurs in Baunatal vermittelt Menschen, wie sie ihre Angehörigen pflegen.

Völlig hilflos und ausgeliefert – so fühlt sich die HNA-Praktikantin Jule Kettelhoit im ersten Moment, als sie auf einem Pflegebett im Evangelischen Altenhilfezentrum Stiftsheim Kassel liegt. Sie  versetzt sich in eine bettlägerige Person hinein. Ein Verständnis für pflegebedürftige Menschen sei unheimlich wichtig für Pflegende, sagt Sigrid Dallmann. Das helfe, Pflege zu bewältigen, denn sie könne „ein 24-Stunden-Job sein, der möglicherweise eine komplett neue Tagesstruktur verlangt“, sagt Dallmann. Das stelle hohe Anforderungen an die Pflegenden – nicht nur physisch, sondern auch psychisch.

Waschen und Lagern

Die 62-Jährige gebe in zehn Kurseinheiten Anleitung, wie eine solche Aufgabe gelingen kann. In der Theorie geht es zum Beispiel um den Umgang mit Medikamenten oder Leistungen der Pflegeversicherung. Ganz praktisch wird es bei den Themen Waschen und Zähneputzen, aber ebenso aktiven Lagerungsmöglichkeiten – mit Alltagsgegenständen wie Kissen – und dem Pflegebett. Konkret: Wie wende ich den zu Pflegenden im Bett so, dass es für beide schonend ist?

Alltagsgegenstände können für die Pflege nützlich sein: Im Kurs informiert Sigrid Dallmann, was man mit Kissen und Co. für die Gepflegten tun kann.

Da kommt Jule Kettelhoit wieder ins Spiel. Ihr Kopf ist auf ein Lagerungskissen gebettet, unter Füßen und Po liegen Bettschutzeinlagen, die wie Windeln funktionieren. Dallmann geht ans Werk: Sie streicht über Kettelhoits linke Wade, „zur Kontaktaufnahme“, umfasst dann die linke Verse der 19-Jährigen und winkelt das Bein an.

„Dabei bewege ich mich mit dem gesamten Körper in dieselbe Richtung, in die ich das Bein bewege“, so Dallmann. Das sei schonender. Sie bittet Kettelhoit, ihre rechte Hand an die linke Schulter zu bewegen und dort liegen zu lassen. Ebenso soll Kettelhoit nach links schauen. Das helfe bei der Bewegung, erklärt Dallmann. „Je mehr sie bereits in diese Richtung gedreht ist, desto einfacher ist es für mich“, so die Pflegerin.

Jetzt geht alles ganz schnell und scheinbar ziemlich leicht: Dallmann drückt erst am rechten Oberschenkel und dann an der Schulter. Dann liegt Kettelhoit auf ihrer linken Seite. „Das war ziemlich locker“, sagt sie lachend.

Wichtig dabei: „Jeder Mensch ist anders“, betont Dallmann. Körperspannung, Größe und Gewicht machten die Bewegungsabläufe unterschiedlich. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, gebe es viele Übungsmöglichkeiten für die Teilnehmer. „Das schafft Mut und Selbstvertrauen“, sagt die Pflegerin. Sie wolle in ihren Kursen den Austausch zwischen den Pflegenden fördern. Fragen stellen und Antworten finden, das sei die Devise – dabei helfe Dallmann als Moderatorin. „Oft bilden sich hier Freundschaften und die Menschen merken, dass sie mit ihrer Situation nicht allein sind.“ 

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