Bürgermeister Schaub: Haus steht nicht zur Verfügung

Landkreis: Flüchtlinge sollten ins leere Polizeirevier in Baunatal ziehen

Polizei ist inzwischen ausgezogen: Im ehemaligen Revier Süd-West am Goldacker in Baunatal wollte der Landkreis ein Flüchtlingsheim einrichten. Doch der Eigentümer der Immobilie will dies nicht. Das kleine Bild zeigt Flüchtlinge aus Syrien bei ihrer Ankunft in Deutschland. Fotos: Kühling, dpa

Baunatal. Das ehemalige Polizeirevier Süd-West am Goldacker in Baunatal sollte auf Wunsch des Landkreises Kassel eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge werden.

Doch zunächst hat der private Vermieter der Immobilie in Altenbauna dem Vorhaben einen Riegel vorgeschoben. Das berichtet Landkreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage.

Die Kreisverwaltung schaue immer nach leer stehenden Gebäuden, sagt Kühlborn. So sei es auch mit dem ehemaligen Polizeirevier gewesen. Die rund 100 Beamten der Station waren vor gut einem Monat in ihr neues Domizil an der Friedrich-Ebert-Allee umgezogen. Seither steht das Haus leer.

Harald Kühlborn

Bevor es konkrete Planungen gebe, rede man natürlich zunächst mit dem Eigentümer, erläutert Kühlborn. Das Haus am Goldacker werde von einem Rechtsanwaltsbüro in Kassel vermarktet. Eigentümer sei eine Investorengesellschaft aus Irland. Diese hätte aber die Unterbringung von Flüchtlingen aktuell abgelehnt. „Wir fragen in einem halben Jahr nochmal nach“, kündigt Kühlborn an.

Baunatal als größte Stadt im Kreis mit 28.000 Einwohnern hat im Vergleich zu vielen anderen Kommunen bislang relativ wenige Menschen aus Krisengebieten aufgenommen. Laut Kühlborn sind derzeit 44 Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht. In Vellmar gebe es beispielsweise bei 17.000 Einwohnern 75, in Wolfhagen bei 14.700 Menschen 312 Flüchtlinge. Die Gesamtzahl im Landkreis Kassel liegt aktuell bei 1064. „Natürlich gibt es auch noch Kommunen mit keinem einzigen Flüchtling“, sagt der Sprecher.

Auch für Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) hat sich das Thema vorerst erledigt. „Das Haus am Goldacker steht nicht zur Verfügung“, sagt er.

Schaub nennt mehrere Aspekte, warum in Baunatal die Schaffung einer Gemeinschaftsunterkunft grundsätzlich nicht so einfach sei. So gebe es in der VW-Stadt einen sehr hohen Druck auf dem normalen Wohnungsmarkt. Durch die Vergabe von Unterkünften an Flüchtlinge wolle die Stadt diesen Druck nicht noch weiter erhöhen.

„Es gibt beispielsweise großes Interesse für barrierefreie Wohnungen mit einem Betreuungsanteil“, sagt der Bürgermeister. Solch eine Variante sei im Bereich Goldacker in Nachbarschaft zu dem dortigen Seniorenheim denkbar.

Im Gegenzug will sich die VW-Stadt in besonderem Maße bei der Unterbringung von jugendlichen Flüchtlingen, die ohne Begleitpersonen in Deutschland ankommen, engagieren. Im ehemaligen Hotel Freitag in Altenbauna sollen 30 aufgenommen werden, sagt Schaub. Einziehen sollen die Bewohner vermutlich im Herbst.

Der Landkreis ist indes weiter an der Einrichtung eines Flüchtlingsheims interessiert. „Wir fänden es gut, wenn in Baunatal auch eine Gemeinschaftsunterkunft hinzukäme“, unterstreicht Kühlborn. Wenn der Kreis nach Unterkünften suche, entgegnet Schaub, „dann werden wir mitsuchen“. Es könnte aber aufgrund der Knappheit von Immobilien sein, „dass die Menschen in Containern untergebracht werden müssen“.

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