Landkreis Kassel: PTA-Ausbildung steht in Frage

Ausbildung im Labor: Das Bild zeigt die PTA-Schüler Lilli Dewald (von links), Verena Siegel und Torben Jordan aus einem früheren Kurs. Archivfoto: Schippers

Kreis Kassel. Die Ausbildung zu Pharmazeutisch-Technischen Assistenten (PTA) im Landkreis Kassel steht wieder in Frage.

Eigentlich sollten die Bernd-Blindow-Schulen aus Bückeburg ab dem 1. August die Ausbildung vom Kreis übernehmen. Doch jetzt kommt alles ganz anders.

Das Regierungspräsidium Darmstadt habe dem Unternehmen keine Genehmigung erteilt, für ein Jahr die bisherigen Räume einschließlich Labor in der Willy-Brandt-Schule in Oberzwehren zu nutzen, berichtet Seniorchef Bernd Blindow auf Anfrage der HNA.

Völlig anders schildert das Regierungspräsidium Darmstadt die Situation. Bis heute lägen dem RP überhaupt keine Unterlagen von Blindow zur Prüfung vor, sagt RP-Sprecher Dieter Ohl. Im April und im Juni habe man bei der Firma nachgefragt, wie es nun weitergeht. „Es tut sich nichts.“

Undurchsichtig bleibt damit auch die Situation ab 2016. Dann sollte die PTA-Ausbildung von der Brandt-Schule in ein neues Gebäude von Blindow an der Wilhelmshöher Allee in Kassel wechseln. Gegenüber der Orthopädischen Klinik baut das Unternehmen, das auch die Dr.-Rohrbach-Schule betreibt, für rund 1,5 Millionen Euro einen neuen Komplex für die Ausbildung in medizinischen Berufen.

Unterhalb der Dönche: Die Willy-Brandt-Schule (rechts) ist an das Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasium in Oberzwehren angebunden. Archivfoto: Socher / nh

Aktuell ist für Bernd Blindow unklar, ob er überhaupt noch in die PTA-Ausbildung einsteigen wird. Das neue Gebäude an der Wilhelmshöher Allee werde jedenfalls so geplant, dass auch ein Labor dort eingerichtet werden kann. „Grundsätzlich glauben wir schon, dass ein Markt da ist.“

„Wir würden uns freuen, wenn das klappt“, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn. Für den Betrieb in dem neuen Gebäude müsse Blindow allerdings wieder eine Zulassung beantragen, erläutert der Sprecher.

Ungewissheit hat die undurchsichtige Situation auch für Bewerber gebracht. Schließlich sollte ein neuer Kurs zum August an der Brandt-Schule starten. Einige begännen nun in Bückeburg, berichtet Bernd Blindow. Andere hätten sich für etwas ganz anderes entschieden.

Reiner Heine, aktueller Schulleiter der Willy-Brandt-Schule, sieht jedenfalls ein Problem für den PTA-Nachwuchs für die heimischen Apotheken. Die letzten Klassen seien bald fertig. „Ab 2017 haben wir keine neuen PTAs mehr.“

Hintergrund: Wie Privatschule organisiert 

Bis 2014 war die Finanzierung der PTA-Ausbildung zu einem guten Teil durch Geld aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gesichert. Die EU strich aber die Fördermittel. Daraufhin sprang der Landkreis Kassel als Unterstützer ein.

Die Ausbildung ist wie an einer Privatschule organisiert. Schulträger ist die landkreiseigene Gesellschaft Agil. Die Schüler müssen einen Teil der Kosten selbst tragen. Teilnehmer aus dem Landkreis zahlen 169 Euro pro Monat, andere 196 Euro.

Bernd Blindow hofft für einen möglichen Betrieb ab 2016 in dem neuen Gebäude seines Unternehmens in Kassel weiterhin auf einen Zuschuss durch den Landkreis. Komme kein Geld vom Staat, müsse jeder Schüler dann monatlich 380 Euro für den Schulbesuch zahlen.

Einen Kommentar zur PTA-Ausbildung lesen Sie in der gedruckten Ausgabe am Mittwoch.

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