Wildsau-Welle überrollt die Jäger

Landwirtschaftliche Woche in Baunatal: Abschüsse helfen nicht gegen Schweinepest

Baunatal. Die afrikanische Schweinepest bewegt die Gemüter von Landwirten, Förstern und Jägern: Das bewies bei der Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal der überfüllte Stadtverordnetensaal, wo das Thema ausführlich mit Experten diskutiert wurde.

Das Fazit: Die Forderung des Bauernverbands, 70 Prozent des Wildschweinbestands abzuschießen, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern, ist wohl illusorisch. Denn schon länger werden die Jäger der Wildschwein-Schwemme nicht mehr Herr. Das Regierungspräsidium erklärt die Prävention zum Gebot der Stunde: Wer in Polen oder Tschechien auf die Jagd gehe, müsse seine Kleidung und sein Gerät gründlich desinfizieren, um das Virus nicht einzuschleppen. Auf das Mitbringen von Wurst und Fleisch solle man verzichten, sagt Pressesprecher Michael Conrad.

Hans-Dieter Pfannenstiel

Der Zoologe, Wildbiologe und Jäger Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel berichtete, die Wildschweinpopulation habe sich vor allem in Hessen in den letzten 25 Jahren explosionsartig ausgebreitet. Schuld daran sei wohl die Erderwärmung und der immer reicher gedeckte Tisch im Wald. Den exorbitant zugenommenen Maisanbau der Landwirtschaft könne man dagegen nicht unmittelbar als Ursache für die Vermehrung nachweisen.

„Wir müssen Frischlinge und noch mehr Frischlinge schießen, das ist das Erfolgsrezept“, sagte Pfannenstiel. Die Jäger dürften sich nicht davon beindrucken lassen, durch den Abschuss der jungen Tiere ein „Kindermörder-Image“ zu bekommen. Die Jägerschaft habe den „Bestand chronisch unterschätzt“. Allerdings helfe ein erhöhter Abschuss nicht gegen das Einschleppen der Seuche. Er könne aber das Tempo seiner Ausbreitung reduzieren, wenn sie in Deutschland angekommen ist.

VolkerWolfram

Die afrikanische Schweinepest habe das seit Jahren wachsende Problem der Ausbreitung von Wildschweinen erst so richtig in den Blick gerückt, sagt der Jäger und landwirtschaftliche Sachverständige Dr. Volker Wolfram aus Guxhagen. Die Schwarzkittel tauchten jetzt schon in Fuldabrück, Rengershausen und Wilhelmshöhe auf. Dort seien sie noch vor ein paar Jahren unbekannt gewesen. Dabei hätten sich die Abschüsse schon vervielfacht. Bessere Jagdbedingungen müssten her, Landwirte, Förster und Jäger müssten stärker kooperieren, um die Jagd effizienter zu machen. 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.